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b.10
Drittes Klavierkonzert / Martin Schläpfer Tanzsuite / Martin Schläpfer Symphony of Psalms / Jiří Kylián
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Dauer b.10: ca. 2 1/2 Stunden, zwei Pausen
Drittes Klavierkonzert
Martin Schläpfer
„Es gibt Menschen, die hört man sprechen – und man ist sofort gefangen, man bleibt direkt dran.“ So erging es Martin Schläpfer nach seinen eigenen Worten, als er zum ersten Mal Alfred Schnittke in einem Interview im Radio erlebte. Doch es waren nicht nur die Worte, sondern später dann vor allem die Werke des Komponisten, die ihn mit ihrer starken Ausdruckskraft und ungeheuren Intensität immer wieder in ihren Bann zogen. Aus seiner kleinen Werkreihe von Balletten auf Musik Schnittkes präsentiert Martin Schläpfer in der Spielzeit 2011/12 zwei Arbeiten: „Drittes Klavierkonzert“ bildet den Auftakt, gefolgt von „Violakonzert“ in b.11. Geschichten en miniature erzählen vom Miteinander und Gegeneinander, von Freiheit und Abhängigkeit, Bindung und Trennung, Nicht-Loslassen- und Nicht-Festhalten-Können, Hingebung und Entzweiung. „Drittes Klavierkonzert“ ist ein Ballett über „die Schwierigkeit zu lieben, Freund eines Liebenden zu sein und über unser aller Bedürfnis, oftmals mehr oder völlig anderes zu begehren, zu erträumen, als wir zu erreichen vermögen“ (Martin Schläpfer). Es ist ein Tanzen in den Zwischentönen, ein Tanzen, das den Menschen im Körper des Tänzers braucht, um seine Seele in all ihren Schattierungen zu enthüllen.
Alfred Schnittke entwickelte seine große kompositorische Begabung in den 1960er Jahren. Jenseits aller Grabenkämpfe der Neuen Musikszene schrieb er eine keiner Schule zuzuordnende Musik, die stilistisch quasi alles durchquert, was irgendwann einmal komponiert wurde. „Eigenes“ und „Fremdes“, Altes und Neues durchdringen sich auch in seinem 1979 dem Pianisten Vladimir Krajnev gewidmeten Klavierkonzert zu Bildern und Assoziationen, die zu den Urgründen des Seins führen. Sein sensibles inneres Ohr verstand Schnittke dabei als „Nadelöhr für die gesamte, so vielfältige Welt“.
Als Solist am Klavier wird der aus Weißrussland stammende und u. a. bei Vladimir Krajnev ausgebildete Pianist Denys Proshayev zu erleben sein. Der Erste Preis des ARD-Musikwettbewerbs 2002 bedeutete für den damals 23-jährigen Künstler den Startschuss zu einer internationalen Solo-Karriere.
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DRITTES KLAVIERKONZERT
Martin Schläpfer
Musik
Konzert für Klavier und Streichorchester von Alfred Schnittke
Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Wen-Pin Chien
Bühne und Kostüme Thomas Ziegler
Licht Franz-Xaver Schaffer
Klavier Denys Proshayev
Tänzerinnen Doris Becker, Christine Jaroszewski, So-Yeon Kim, Nicole Morel, Anna Tsybina, Irene Vaqueiro
Tänzer Christian Bloßfeld, Paul Calderone, Jackson Carroll, Philip Handschin, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Alexandre Simões, Pontus Sundset
Orchester Düsseldorfer Symphoniker
Tanzsuite
Martin Schläpfer
„Man muss sich immer wieder irgendwo hinwerfen, um Neues zu erfahren. Man muss beweglich bleiben, sich ‚köpfen‘ oder sich forciert wo auch immer hineinstürzen: am besten in kaltes Wasser. Es ist das scheinbar Unmögliche, das mich weiter gehen lässt, als ich es mir vorstellen kann. Ich brauche die Gefahr. Es ist die Herausforderung einer Musik, die mich zu meinen Balletten zwingt“, beschrieb Martin Schläpfer einmal seinen Ausgangspunkt für ein neues Stück. Immer wieder sucht der Choreograph sich Kompositionen, die auf den ersten Blick für eine tänzerische Umsetzung unmöglich erscheinen. Eine solche ist auch Helmut Lachenmanns „Tanzsuite mit Deutschlandlied“.Konsequent entwickelte der deutsche Komponist seit den 1970er Jahren eine „Musique concrète instrumentale“, die mittels neuer Spieltechniken für ein meist klassisches Instrumentarium eine völlig neue Klanglichkeit erzeugt. In seiner 1979/80 komponierten „Tanzsuite mit Deutschlandlied“ sind es verschiedene alte Tanzformen, die mit ihrem Rhythmus und Tonfall einen Boden des Vertrauten bilden, um zugleich in Lachenmanns eigenwilligen, nie gehörten Klängen aufzugehen und zu verschwinden.
Der Bezug zur Tradition wird auch Martin Schläpfer zu einem zentralen Thema seines Stückes: „In meinem Ballett gibt es immer wieder Szenen, in denen ich die Tänzer die Klassik auf den Boden werfen lasse – aber mehr aus Trauer, denn ich bin mir schmerzlich bewusst, dass sie nicht mehr in dieser Form Ausdruck unserer Zeit sein kann.“ Der klassische Tanz findet so jenseits von Tanztheater oder Modern Dance zu einer neuen Form, die sich inzwischen als Schläpfer-Stil bezeichnen lässt.
„Ein großartiges, geheimnisvolles, lustiges und schwieriges Ballett“, schrieb Wiebke Hüster in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Schläpfers Stücke „geben ihr Geheimnis immer schwerer preis, aber ihre Faszination strahlt immer heller. Die Zuschauer erkannten ein Meisterwerk“, urteilte Angela Reinhardt auf tanznetz. Und Jochen Schmidt schrieb in der Welt: Ein Stück von einer „ästhetischen Qualität, die auf dem Gebiet des klassischen Tanzes keine Konkurrenz zu fürchten hat“.
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TANZSUITE
Martin Schläpfer
Musik
„Tanzsuite mit Deutschlandlied“ von Helmut Lachenmann
Choreographie Martin Schläpfer
Bühne und Kostüme Keso Dekker
Video Christoph Schödel, Keso Dekker
Licht Franz-Xaver Schaffer
Tänzerinnen Cristina Garcia Fonseca, Ann-Kathrin Adam, Virginia Segarra Vidal, Doris Becker, Nicole Morel, Mariana Dias, Aisha L. Arechaga, So-Yeon Kim, Irene Vaqueiro
Tänzer Philip Handschin, Sonny Locsin, Marcos Menha, Boris Randzio, Sascha Pieper, Bruno Narnhammer, Martin Chaix, Jackson Carroll, Florent Cheymol, Martin Schirbel
Symphony of Psalms
Jiří Kylián
Anrufung – Zuversicht – Lobpreisung: So könnte man die drei Teile der 1930 komponierten „Psalmensinfonie“ für Chor und Orchester betiteln, ein Werk, mit dem Igor Strawinsky einer unverrückbaren Glaubensgewissheit auf höchst eindrucksvolle Weise musikalische Gestalt verlieh. Von archaischer Kargheit ist die Komposition – einen Weg zurücklegend aus äußerster Statik über barockisierende Fugati und kultische Ekstase bis zu abgeklärter Erlösung, „weitflächig und still, wie ein erschöpfter Körper, der das Erlebte in sich nachzittern fühlt“ (Reinhard Schulz). Jiří Kylián inspirierte diese sakrale Sinfonie 1978 zu einer Choreographie, die bis heute zu seinen Schlüsselwerken zählt. Wenn sich der Vorhang hebt, fällt unser Blick auf einen Bühnenhintergrund, in dem sich zahlreiche Orientteppiche zu einem Bild von mystischer Atmosphäre fügen: „Viele dieser Teppiche haben religiöse oder spirituelle Bedeutung“, erläutert Jiří Kylián. In ihren Mustern spiegelt sich „die pure Schönheit der Zahlen“ und damit im Verständnis mancher Religionen „ein göttlicher Ursprung“ ebenso wider wie „eine Weltsicht, in der Mannigfaltigkeit mit Einheit und Einfachheit harmoniert“. Eine Art „spirituelle Architektur“ entwirft auch Kyliáns Choreographie: Abgeleitet aus den Mustern der Teppiche entwickelt er strenge Strukturen, die er jedoch immer wieder in extreme Expressivität und dramatische Präsenz aufbricht. „Ich denke, dass es meine Aufgabe als Choreograph ist, den Grund unserer Seele zu erforschen“, sagte er einmal. Auch in seiner „Symphony of Psalms“ gelingt es Kylián mit jedem Schritt, jeder Bewegung, die Komplexität menschlicher Fragen und Existenzkämpfe aufzuwerfen. Und wenn die 16 Tänzerinnen und Tänzer am Ende durch den Vorhang aus Teppichen abgehen, so bleibt – anders als in Strawinskys Komposition – dieser Weg einer ins Offene.
Jiří Kylián zählt zu den bedeutendsten Choreographen unserer Zeit. Unter seiner Leitung avancierte das Nederlands Dans Theater, für das er von 1977 bis 1999 als Direktor und zuletzt als Choreograph und künstlerischer Berater tätig war, zum Aushängeschild niederländischen Tanzschaffens.
Choreographie Jiri Kylian
Musikalische Leitung Wen-Pin Chien
Bühne William Katz
Kostüme Joop Stokvis
Licht nach Joop Caboort Kees Tjebbes
Gesamtleitung Kylián Productions Kees Tjebbes
Einstudierung Brigitte Martin
Chorleitung Gerhard Michalski
Tänzerinnen Sachika Abe, Ann-Kathrin Adam, Camille Andriot, Aisha L. Arechaga, Wun Sze Chan, So-Yeon Kim, Louisa Rachedi, Claudine Schoch
Tänzer Jackson Carroll, Marquet K. Lee, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Sascha Pieper, Martin Schirbel, Pontus Sundset, Maksat Sydykov
Chor Chor der Deutschen Oper am Rhein
Orchester Düsseldorfer Symphoniker
























