Diese Produktion wird gefördert von: Kunststiftung NRW,
www.kunststiftungnrw.de
Ein liebestoller Alter begehrt seine junge schöne Ziehtochter, die sich jedoch zu einem gleichaltrigen Liebhaber hingezogen fühlt. Auf diese simple Formel könnte man die verwickelte Handlung von Jean-Philippe Rameaus spätem musikalischen Bühnenwerk „Les Paladins“ reduzieren. So wäre immerhin herausgestellt, dass die Geschichte um die Prinzessin Argie und ihren Herzensritter Atis nicht allein auf den großen französischen Dichter La Fontaine zurückgeht, sondern sich auch aus dem Reservoire der italienischen commedia dell’arte bediente. Tatsächlich zeigte Rameau mit dieser 1760 im Palais Royal uraufgeführten Ballettkomödie eine Affinität zur italienischen Operntradition und gab damit dem seit 1752 in Frankreich schwelenden Buffonistenstreit neue Nahrung. Die Frage, ob der neuen italienischen opera buffa oder der traditionellen französischen tragédie lyrique der Vorzug zu geben sei, war mehr als eine Kontroverse unter Opernkennern. Sie polarisierte Hof und Gesellschaft und war der Markstein,an dem sich nationale Gesinnung und politische Loyalität maßen. Rameau wurde dabei von den französischen Traditionalisten vereinnahmt, ungeachtet der Kritiker, die dem Komponisten vorwarfen, das maßgebende Opernerbe Jean-Baptiste Lullys, des berühmten Hofkomponisten Ludwigs XIV., zu missachten und sich zu viele musikalische Extravaganzen zu erlauben. Rameau bezog dazu keine Stellung, sondern setzte sich mit „Les Paladins“ bewusst zwischen alle Stühle. Er ließ sich von der italienischen Musik inspirieren, ohne die wichtigen Parameter der französischen Oper zu vernachlässigen. Das „Wunderbare“ der Handlung, die konstitutive Funktion des Balletts sowie das verschwenderische Ausmaß des szenischen Aufwands entsprachen ganz dem französischen Geschmack. So muss sich das Liebespaar Argie und Atis auf der Flucht vor dem rachsüchtigen Anselme nicht nur mehrfach verkleiden und die wundersame Hilfe der Fee Manto in Anspruch nehmen, sondern gerät aus seinem ritterlichen Palast unvermittelt in einen chinesischen Zaubergarten. Dort sorgen allerlei phantastische und groteske Gestalten dafür, dass sich die Liebesverirrungen in einem alle zufriedenstellenden Happyend auflösen.
Dass sich solche Paradebeispiele barocker Fabulier- und Parodiekunst dem heutigen Opernpublikum durchaus unterhaltsam servieren lassen, hat nicht nur die seit Jahrzehnten anhaltende Händel-Renaissance gezeigt. Auch Jean-Philippe Rameau ist kein Geheimtipp mehr, wurde doch das exquisite Niveau seiner Musik von Barockspezialisten wie Marc Minkowski u. a. längst wieder entdeckt. Die Deutsche Oper am Rhein beginnt mit „Les Paladins“ ihre Rameau-Erkundung und lässt sich dabei von der Vitalität seiner Musik und dem spektakulären Flair seiner Bühnenszenerien leiten.
Für die Inszenierung konnte Arila Siegert gewonnen werden. Sie kommt vom Tanz und der Choreographie, studierte bei Gret Palucca, assistierte Ruth Berghaus und hat in den letzten zehn Jahren vor allem im Musiktheater gearbeitet.
Die Neue Düsseldorfer Hofmusik
Stilsicher, souverän und im wahrsten Sinne des Wortes Ton angebend in der Alte-Musik-Szene – mit diesen Etiketten hat die Fachwelt das Ensemble Neue Düsseldorfer Hofmusik belegt, eine Einschätzung, die jüngst durch die Verleihung des Klassik-Preises „Echo 2002“ für die aktuelle CD-Einspielung von Werken Georg Philipp Telemanns untermauert wurde. Der Name des Ensembles ist nicht nur Hinweis auf den Gründungsort, sondern auch auf das Wiederaufleben einer Tradition, wie sie in der barocken Blütezeit der Stadt Düsseldorf bestanden hat: Die Neue Düsseldorfer Hofmusik hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, das reiche musikalische Erbe der pfälzischen Herzöge und Kurfürsten, die im 17. und 18. Jahrhundert in Düsseldorf residierten, zu ergründen und zu pflegen. Für das hohe Niveau dieses Unterfangens stehen Interpreten, die sich lange und intensiv mit der historischen Aufführungspraxis beschäftigt und auf Barockmusik spezialisiert haben.
Der Wirkungskreis der „Hofmusik“ reicht inzwischen weit über Düsseldorf hinaus bestreitet das Ensemble doch nicht nur seine eigene erfolgreiche Konzertreihe „Raum & Klang“ im Schloss Benrath, sondern gastierte bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, bei den Tagen Alter Musik in Herne, dem Festival „Oude Muziek“ in Utrecht, den Händel-Festspielen in Göttingen, den Brühler Schlossfestspielen, in den Philharmonien von Essen und Köln und wird regelmäßig von Rundfunkanstalten wie dem WDR und dem Deutschlandfunk für Produktionen verpflichtet.
Einen Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit bildet der intensive Kontakt zur Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg. Hier wurde u.a. bis 2009 ein vielbeachteter Monteverdi-Zyklus in der Inszenierung von Christoph Loy realisiert. Neuestes Vorhaben ist eine Serie mit Opern des französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau, die mit „Les Paladins“ beginnt. Als Fortsetzung der zahlreichen CD-Produktionen erschien zuletzt eine neue CD mit geistlicher Musik von Johann Hugo Wilderer und Carlo Pietro Grua bei Coviello Classics sowie eine Aufnahme mit acht Konzerten für Tasteninstrumente mit der Pianistin Christine Schornsheim bei Cappriccio.
***Jean-Philippe Rameau
(1683 -1764)
LES PALADINS
Comédie lyrique in drei Akten
Text vermutlich von Jean François Duplat de Monticourt
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Konrad JunghänelInszenierung und Choreographie Arila SiegertBühne Frank Philipp SchlößmannKostüme Marie-Luise StrandtLive-Malerei und Video Helge Leiberg /
Christoph KurigLicht Volker WeinhartChor Gerhard MichalskiDramaturgie Hella Bartnig Argie Anna VirovlanskyNérine Iulia Elena SurduOrcan Laimonas PautieniusAtis / Dämon Anders J. DahlinAnselme Adrian SâmpetreanManto, Fee / Paladin Thomas Michael AllenTänzerinnen Patrizia Cina,Photini Meletiadis,Anna Roura-Maldonado,Robina Steyer
Tänzer Farid Baroug,Joeri Burger,Ricardo Diaz,Mack Kubicki,Gregory Le Blanc,Sören Swart
Orchester Neue Düsseldorfer Hofmusik
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