(c) Frank Heller
L'Enfant et les sortilèges
Maurice Ravel
Central in der alten Paketpost
Donnerstag, 25. März 2010
19:30 - 20:30 Uhr / Premiere

18,00 €
Das Kind weigert sich, seine Schulaufgaben zu erledigen, viel lieber möchte es nach draußen gehen, den Kater am Schwanz ziehen, den des Eichhörnchens abschneiden und überhaupt auf die ganze Welt wütend sein. Auf die Ermahnungen seiner Mutter reagiert es nicht und muss bei Tee und Brot in seinem Zimmer bleiben. Voller Zorn zerschlägt es das Teeservice, verletzt das Eichhörnchen im Käfig mit der spitzen Füllfeder und ruiniert das gesamte Interieur inklusive Märchentapete. „Ich bin böse und frei!“ triumphiert das Kind schließlich in seinem Chaos.
Als es sich anschließend ermüdet von seiner Zerstörungswut in den Lehnsessel fallen lassen will, beginnen plötzlich alle misshandelten Gegenstände lebendig zu werden. Sie klagen einander ihr Leid und führen seltsame Tänze auf: Lehnstuhl und Polstersessel drehen sich im gemessenen Rhythmus, während die britische Wedgewoodkanne mit der chinesischen Teetasse zu einer kuriosen Konversation aus Pseudochinesisch und Oxfordenglisch einen Ragtime tanzt. Auch die Schäferinnen und Schäfer aus der zerrissenen Tapete, eine Prinzessin aus dem Märchenbuch und nicht zuletzt die Mathematikaufgaben verfolgen das Kind mit ihren Klagen. Als es bei seinem Kater Trost sucht, singt dieser lieber im Garten ein Duett mit der hübschen Nachbarskatze. Auch im Garten trifft das Kind nur auf Wesen, denen es ein Leid getan hat: der alte Baum stöhnt über die Wunden in seiner Rinde, Libelle und Fledermaus klagen um getötete Gefährten und das Eichhörnchen warnt den Frosch vor dem bösen Kind. Dieses fühlt sich plötzlich sehr einsam und ruft nach der Mutter. Doch die Tiere beschließen sich an ihrem Quälgeist zu rächen. Bei dem wilden Angriff wird auch ein kleines Eichhörnchen verletzt, das Kind zieht sein Halsband aus und verbindet die Pfote des Tieres. Erstaunt beobachten die anderen Tiere diesen Vorgang, bekommen Mitleid mit dem erschöpften Kind und beschließen, ihm zu helfen. Sie wiederholen den Ruf nach seiner Mutter und bringen es zu ihr zurück.

Maurice Ravels Arbeit an „L´Enfant et les sortilèges“ erstreckte sich über einen Zeitraum von neun Jahren. Bereits 1916 erhielt er von dem Direktor der Pariser Opéra den Auftrag, Colettes Libretto mit dem Titel „Divertissement pour ma petite fille“ zu vertonen. In den folgenden Jahren entwarf er zwar hin und wieder eine Idee, doch bis 1921 brachte er keine Note zu „L´Enfant et les sortilèges“ zu Papier. Schlussendlich entwickelte Ravel zu Colettes phantasievollem Libretto eine farbenfrohe Musik, die sich durch ein Nebeneinander stilistisch unterschiedlicher Episoden auszeichnet, dabei stehen Belcanto-Elemente neben Operetten- und Music hall-Klängen und Modetänzen der 20er-Jahre, auch vor aus der Unterhaltungsmusik entlehnten Klängen schreckte Ravel nicht zurück. Am 21. März 1925 wurde die Fantaisie lyrique in Monte Carlo uraufgeführt und von Publikum und Kritik positiv aufgenommen.

Das Arrangement für Kammerorchester erstellte der Stuttgarter Komponist Xaver Paul Thoma.
 

Musikalische Leitung Christoph Stöcker
Inszenierung Mechthild Hoersch
Ausstattung Stephan Rinke
Choreografie Carole Schmitt
 
Kind Melanie Lang
Mutter/Libelle Nassrin Azarmi
Bergére/Prinzessin/Nachtigall Alma Sadé
Feuer/Fledermaus/1.Tier Jaclyn Bermudez
Katze/Eichhörnchen/Die chinesische Tasse Judita Nagyová
Sessel/Baum/4.Tier Lukasz Konieczny
Standuhr/Kater Richard Sveda
Teekanne/altes Männchen/Frosch/3.Tier Dmitry Trunov
 

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