Eine Kooperation mit dem Theater der Jungen Welt Leipzig
Meuten, Mobs, Fahrtenstenze, Blasen, Navajos, Ruhr- und Edelweißpiraten: Überall formieren sich im Deutschland des Nationalsozialismus Gruppen, die sich nicht mit der staatlich verordneten Jugendkultur identifizieren. Kleidungsstil, Musik und Freizeitaktivitäten schweißen sie zusammen. Durch ihr Auftreten, aber auch durch politische Aktionen geraten sie in Konflikt mit der NS-Ideologie und ins Fadenkreuz der Gestapo. In der Spielzeit 24/25 widmen sich das Theater der Jungen Welt Leipzig und die Junge Oper am Rhein in einem erinnerungskulturellen Musiktheaterprojekt diesem jugendlichen Widerstand. Unter der künstlerischen Leitung von Regisseur und Musiker Schorsch Kamerun arbeiten junge Menschen in Leipzig und Duisburg zur Geschichte dieser Jugendgruppen und zur Rolle von Jugendkultur damals und heute: Wann wird Unangepasstheit zu Opposition, wann Opposition zu Widerstand?
Künstlerische Leitung & Regie
Schorsch Kamerun
Musik
Schorsch Kamerun, PC Nackt
Bühne & Kostüme
Katja Eichbaum
Konzeption Digitales Klangarchiv
Holger Heißmeyer
Dramaturgie
Florian Heller
Produktionsleitung
Verena Strasser
Theatervermittlung
Ronja Kindler
Regieassistenz
Tobias Dömer
Social Media Content Creator
Meret Aupperle

TEIL 1
Meuten Memorial Movement

Musiktheatrale Performance auf dem Lindenauer Markt
„Seit langer Zeit mußte die Beobachtung gemacht werden, daß unter der Leipziger Jugend in bemerkenswerter Weise Unruhe herrscht. die Meldungen von Vorkommnissen verschiedenster Art (Zusammenrottungen, Schlägereien mit der HJ und ähnliches) häuften sich in zunehmendem Maße“, notierte die Gestapo in einem Bericht im Mai 1938.

Die Leipziger Meuten, Gruppen von Jugendlichen, die in dezentralen Cliquen zusammenkamen...

Teil 2
House of Resistance

Performative Installation und Szenisches Konzert im Theater Duisburg
„In den westdeutschen Industriezentren an Rhein und Ruhr entstanden zu Beginn der 1940er Jahre mit den Edelweißpiraten die zahlenmäßig größten subkulturellen Jugendgruppen gegen die Hitlerjugend. Besonders in den Städten Köln, Essen, Duisburg, Düsseldorf, Oberhausen und Wuppertal prägten sie das Verständnis von jugendlicher Opposition in Westdeutschland und darüber hinaus. Ihre Mitglieder gingen in die Tausende.“
Sascha Lange: „Meuten, Swings und Edelweißpiraten

Analog zum Prozess in Leipzig arbeiten Jugendliche aus Duisburg ein Jahr lang zu Geschichte dieser Jugendgruppen an Rhein und Ruhr. Wie unterscheidet sich der erinnerungskulturelle Diskurs zwischen West und Ost? Was bedeutet Erinnerungskultur in einer stark durch Migrationsgeschichte geprägten Stadt wie Duisburg? Und welche Rolle spielt Populärkultur im Vergleich zur Hochkultur in widerständiger Praxis?

Teil 3
Sounds of Resistance

Digitales Klangarchiv
Auf Grundlage des Content Management Systems „interkit“ entsteht über den Verlauf des Projekts ein für Mobilgeräte optimiertes webbasiertes Klangarchiv. Sein Ziel ist es, jugendlichen Widerstand gegen NS-Unrecht vor allem in seiner Dezentralität sichtbar machen zu können. Klangliche Ergebnisse von Recherchen und Proben werden in das Archiv eingebunden, Orte wie das Leipziger Memorial können als analoge „entry points“ in die digitale Karte fungieren.