14.01.–29.03.2023 / Oper

Adriana Lecou­vreur

Francesco Cilea
Sa 14.05.2022
Theater Duisburg
19:30 - 22:30
Premiere Oper
Premieren-Abo Düsseldorf
Termine
19:30 - 22:15
Oper
78685848382819
Kleines Abo, Wechselnde Wochentage-Abo D
19:30 - 22:15
Familienkarte Oper
78685848382819
Familienkarte: 4 Karten für 40 Euro
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Wechselnde Wochentage-Abo A
19:30 - 22:15
Oper
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Wechselnde Wochentage-Abo B
19:30 - 22:15
Oper
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Wechselnde Wochentage-Abo C
Beschreibung
Was bleibt, wenn das Rampenlicht verlischt? Die emotionale Geschichte einer Diva, erzählt im Stil der Goldenen Ära Hollywoods.
Oper in vier Akten
Libretto von Arturo Colautti nach dem Schauspiel „Adrienne Lecouvreur“ von Eugène Scribe und Ernest Legouvé
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
ca. 2 ¾ Stunden, eine Pause
Empfohlen ab 12 Jahren
Adriana Lecouvreur lebt für die Kunst. Mit intensivem Spiel und unpathetischer Natürlichkeit fesselt die Schauspielerin Abend für Abend ihr Publikum. Auch Regisseur Michonnet verehrt sie seit langem - glücklos. Denn neben der Schauspielerei gilt ihre Liebe nur Maurizio. Für Adriana hat er sein heimliches Verhältnis mit einer einflussreichen Fürstin beendet. Rasend vor Eifersucht sinnt diese auf Rache…

Es gab sie wirklich: die Schauspielerin Adrienne Lecouvreur, unbestrittener Star der Comédie Française ab 1717, damals 23 Jahre jung. Allabendlich jubelten ihr über 1000 Menschen jeden Standes zu. Als sie, in eine leidenschaftliche Beziehung zu Moritz von Sachsen verstrickt, 13 Jahre später plötzlich starb, rankten sich bald dramatische Gerüchte um ihren Tod: die eifersüchtige Fürstin von Bouillon habe ihre Nebenbuhlerin vergiftet… Dieser Kolportagedramatik konnten sich weder Theaterautor Eugène Scribe, noch Sarah Bernhard, die Adrienne der Schauspieluraufführung im Jahr 1849, noch Francesco Cilèa entziehen. Geschickt verbanden sie historische und biografische Fakten mit erfundenen Gerüchten zu einer spannungsgeladenen, verwickelten Dreiecksgeschichte. Francesco Cilèa, seinerzeit gefeierter Zeitgenosse Puccinis, scheint in der eleganten, melodien- wie farbenreichen Partitur mit ausdrucksvoll-geschmeidigen Gesangspartien stellenweise bereits die frühe Filmmusik vorwegzunehmen. 1902, mit Enrico Caruso in der Rolle des Maurizio, feierte „Adriana Lecouvreur“ am Mailänder Teatri Lirico ihre fulminante Weltpremiere.

Regisseur und Ausstatter Gianluca Falaschi verortet den Blick hinter die Kulissen und in die Gefühlswelt einer großen Diva auf dem fragilen Zenit ihrer Popularität in der Kunst- und Traumwelt des Theaters im Stil der Goldenen Ära Hollywoods, in der sich Realität und Illusion, Menschen und ihre Rollen durchdringen: Was ist Wirklichkeit, was Kunst? Was bleibt, wenn das Rampenlicht verlischt?

Eine Produktion des Staatstheaters Mainz
Stimmen unserer Scouts zu „Adriana Lecouvrer“
Jan-Niclas Müller
Direkt zu Beginn wurde klar: Bei Adriana Lecouvreur werden wir eine klassische Liebesgeschichte sehen und hören.
Das Bühnenbild schlicht, aber immer stimmig, mit weiten Räumen und einer Inszenierung im 1920er Jahre Stil. Glitzernde Kleider, stark geschminkte Tänzer*innen und manch überzeichnet wirkender Charakter, verliehen dem Stück eine gewisse Ironie. Musikalisch hervorragend inszeniert, blieb die eher oberflächliche Handlung dahinter zurück und wurde der Qualität der Musik nicht immer gerecht. Ist diese Art von Handlung Operntypisch oder Geschmackssache?
Der großartige Gesang und ein hervorragendes Orchester haben mir diese Frage auf andere Art beantwortet: Die Handlung ist hier Nebensache und damit zweitrangig, denn am Ende des Abends bin ich, insbesondere musikalisch, sehr gut unterhalten worden.
Jan-Niclas Müller

Ein Opernabend der mich zwiegespalten und uninspiriert zurückgelassen hat.
Zum einen, fantastischer und bewundernswerter Gesang zusammen mit einem hervorragenden Orchester. Präzise Einsätze, gefühlvolles Zusammenspiel, einfach nur zum Genießen, insbesondere bei geschlossenen Augen.
Zum anderen eine Inszenierung, die pompös, phasenweise schrill die Grenze zum Kitsch zielsicher überschreitet. Das muss man halt mögen. In diesem Rahmen wirkten die Charaktere der Protagonist*innen seltsam schablonenhaft und verstörend eindimensional. Und das bei diesem Überangebot an tiefsten Gefühlswelten. Liebe, Eifersucht, Rache, Verzweiflung, Schmerz, das volle Programm sozusagen.
Die Verbindung zur großen Zeit der wunderbaren Hollywood Filme in Technicolor ist sichtbar und hörbar. Doch anders als in diesen legendären Filmen, bleibt es in dieser Inszenierung bei der Kulisse. Dahinter erstreckt sich gähnende Leere und Banalität.
Herausfordernd wäre es, mit diesem Stoff aus dem Jahre 1902, eine inspirierende Oper auf der Höhe der Zeit zu gestalten.
Ralf Blaha
Ralf Blaha

Nicole Bonnekamp
Ich war sehr gespannt, wie Gianluca Falaschi diese aus meiner Sicht wenig interessante Geschichte in seiner ersten Regiearbeit inszeniert.
Ein Spiel mit Perspektiven, die Suche einer Diva nach Authentizität, Realität vs. Illusion, Wirklichkeit vs. Kunst – die im Vorfeld kommunizierten
Schlagworte versprachen einen interessanten Abend!
Statt einer Inszenierung, die das seichte Sujet komplexer macht oder die Rollen der Adriana und der Fürstin anders interpretiert, liegt der Schwerpunkt für mich zu sehr auf den Szenen im Stil der Goldenen Ära Hollywoods, die die Oberflächlichkeit, den Schein, die Bedeutung von Schönheit und Macht und den Machismo hervorheben (letzterer mündet in einer unglücklich präsentierten Kritik an Männern wie Harvey Weinstein) - leider ohne einen Kontrapunkt zu setzen oder Fragen aufzuwerfen.
Die melodienreiche Musik macht dem Orchester hörbar Spaß, der Gesang ist hervorragend, wobei mich die Fürstin und Michonnet mehr berühren als die beiden Protagonist*innen, was vor allem dem Charakter ihrer Rollen geschuldet ist.
Rein musikalisch ist der Besuch dieser Oper auf jeden Fall empfehlenswert.
Nicole Bonnekamp

Adriana Lecouvreur, in dieser Oper haben sich zwei starke Frauen in einen jungen Nachwuchsschauspieler verliebt, das kann nicht gut enden.
Es ist eine Liebeskomödie mit operntypisch oberflächlicher Handlung von Liebe, Rivalität, Betrug und Tod.
Musikalisch ein sehr ausdrucksstarker, vielseitiger Abend mit lauten und leisen Tönen die sehr beeindrucken.
Die Kostüme sind elegante, glitzernde Abendroben, bunte Partykleider mit vielen Pailletten die schon ein wenig an die Fastnachtszeit erinnern.
Die Geschichte spielt in den frühen Hollywood-Jahren, mit einem Bühnenbild und Kostümen irgendwo zwischen Film, Theater, Zirkus und Varieté.
Am Ende sehr viel Applaus für diesen bewegenden Einblick in die Welt des Theaters und der Menschen auf der Bühne, deren Leben es darstellt.
Sabine Fröber
Sabine Fröber

Alexandra Knappik
Wer klassische Inszenierungen mit viel Drama liebt, der wird sich an der Interpretation von Gianluca Falaschis „Adriana Lecouvreur“ erfreuen. Das Publikum darf wortwörtlich hinter die Kulissen einer vergangenen Hollywood-Ära tauchen und dabei das schillernde Leben der Diva Adriana auf der Bühne bestaunen. Schillernd ist nicht nur das Leben Adrianas, sondern auch die teils kitschige Kleidung der Künstler*innen, die die Diskrepanz zwischen dem oberflächlich konservativen Adel - der High Society - und den doch exzentrisch ausfallenden Partys deutlich machen. Begleitet wird jeder Akt von großartiger Musik, die ich als unglaublich melodisch und wohltuend wahrnehme. Die Gefeierte, die Erfolgreiche, die Leidende, die Trauernde, die Einsame, die Betrogene - die Aufzählung macht deutlich, dass Adrianas Sein vielschichtig ist. Die Protagonistin löst sich schlussendlich nicht von einem Mann, der zwei Frauen Hoffnungen macht und sich zwischen beiden nicht so richtig entscheiden kann.
„Adriana Lecouvreur“, eine Oper, die ich auf jeden Fall empfehle!
Alexandra Knappik

Diese Inszenierung funkelt nur so vor Glamour, Romantik und glitzernder Pailletten, welche bei der Kostümwahl, die an die 1920er erinnern, auf keinen Fall zu kurz kamen. Diesen Effekt des frühen bis mittleren 20. Jahrhundert hat das Orchester mit einer Glanzleistung auch durch die Partitur erschaffen, welche wie aus einem melodramatischen, alten Film klang.
Auch wenn die klassisch kitschige Dreieckstheorie der Liebe schon allbekannt und vorhersehbar ist, wird von diesem Ideal auch in „Adriana Lecouvreur“ Gebrauch gemacht, was die atemberaubende Gesamtperformance jedoch keineswegs in den Schatten stellt.
Gerade durch die pathetische, kitschige Handlung, die man auch so schonmal bestimmt in Hunderten von Filmen gesehen hat, stellen die Künstler*innen ihr schieres Talent unter Beweis. Alle Opernsänger*innen glänzen (nicht nur aufgrund der vielen Pailletten) und strotzen nur so vor Talent und musikalischem Können mit traumhaft schönen Stimmen und passendem Schauspiel. Die sowohl humorvolle als auch tragische Lyrik wird konstant gekonnt rübergebracht.
Eine äußerst dramatische Tragödie, die Romantikern sehr gefallen wird!
Carolin de Bruijn
Carolin de Bruijn

Mareike Engelke
Nichts geht über Glitzer im Bühnenlicht!
„Glitzer zu Staub" steht im Begleitprogramm und auf der Bühne gibt es eine 20er-Jahre-Kulisse: Ich erwarte Dekadenz, Abgründe, Schmerz, Liebe, die mit allen Sinnen spürbar ist.
Die Opernsänger*innen, der Chor, das Orchester verzaubern mich und Liana Aleksanyans Gesang klingt wunderschön und wirkt tief. Sie wird immer wieder zwischendrin bejubelt, was großartig zur Rolle passt, natürlich ist sie auch ein Star!
Die Kostüme und Gesten fühlen sich an manchen Stellen gezähmt an, dann wieder unbeabsichtigt kitschig.
Im dritten Akt, wenn der Chor auf die Bühne kommt (und ich liebe es, wenn der Chor seinen Einsatz hat), wird die Intensität des Kunst-Kitschs noch einmal hochgedreht, visuell ein Fest für Glitzer-Liebhaber*innen.
Doch irgendwas gerät zwischen den Rollen ins Ungleichgewicht, mir fehlt der versprochene Staub mit Tiefgang, es wirkt wie eine aus der Zeit gefallene, leicht toxische Komödie bei der vor allem die Musik große Gefühle verspricht.
Mareike Engelke

Eine italienische Oper, ein Klassiker und bestimmt ein Muss für alle, die sich für die italienische Oper interessieren.
Das Bühnenbild ist angelehnt an die alten, typischen Filmstudios in Hollywood und ist sehr ansprechend. Es ist dennoch zurückhaltend und bildet einfach einen schönen Background für das Stück. Kostüme mit viel "Bling-Bling" runden die Atmosphäre gekonnt ab.
Die Musik von Franscesco Cilèa ist atmosphärisch und emotional, sehr gut gespielt von den Philharmonikern - schön anzuhören.
Der Gesang und insbesondere die Solopartien sind anspruchsvoll und erfordern großes Talent von den Sänger*innen, die alle sehr angenehm und mitreißende sind.
Optisch und musikalisch auf jeden Fall ein schöner Abend. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Story an sich recht dünn ist. Viel Drama, wenig Spannung.
Götz Odenwald
Götz Odenwald
Glitzer zu Staub – Regisseur Gianluca Falaschi im Gespräch
Adriana Lecouvreur handelt von einer berühmten Schauspielerin und erzählt eine tragische Eifersuchtsgeschichte. Welcher Aspekt der Oper interessiert dich am meisten?

Gianluca Falaschi: Für mich ist der wichtigste Aspekt die Hommage, die Francesco Cilèa mit diesem Werk dem Theater erwiesen hat. Adrianas Leben ist vom Theater erfüllt. Sie lebt ihre Leidenschaften mit der gleichen Intensität, mit der sie ihre tragischen Rollen interpretiert, und lenkt in gewisser Weise die Ereignisse bis zum Ende hin – fast wie eine Regisseurin. Es war mir sehr wichtig zu zeigen, wie sehr eine Aufführung, ja das gesamte Showbusiness, die Wahrnehmung der Realität bei denjenigen verändert, die dafür leben. Adriana betritt die Szene und erklärt sich zur Dienerin der Kunst. Sie ist Theater durch und durch. Ohne die Bühne verliert sie ihre Daseinsberechtigung.

Du gestaltest neben Regie auch Bühne und Kostüme. Wo hast du die Geschichte um Adriana verortet und für welche Ästhetik hast du dich entschieden?

Ich wollte dem Theater des vergangenen Jahrhunderts huldigen, der Welt des Broadway ebenso wie den großen Hollywood-Filmen, die vom Musical inspiriert sind. Dabei habe ich versucht, mich auf einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren zu konzentrieren – vom Schwarzweiß der Ginger Rogers-Filme bis zum Technicolor der 1950er Jahre, von der Naivität des Vaudeville bis zur psychologischen Intensität des Dramas. Ich habe eine Ästhetik im Stil der Goldenen Ära Hollywoods entworfen und dabei eine Grausamkeit einfließen lassen, wie sie Rainer Werner Fassbinder durch das blendende Weiß der Veronika Voss zum Ausdruck bringt.

Vorbild für die Rolle der Adriana ist eine historische Figur: Adrienne Lecouvreur, eine berühmte Schauspielerin, die Anfang des 18. Jahrhunderts den Vortragsstil an der Comédie-Française revolutionierte. Zahlreiche große Künstlerinnen wie Sarah Bernhardt, Eleonora Duse oder Maria Callas haben diese Rolle später verkörpert. Man könnte also sagen, Adriana Lecouvreur ist eine Oper über und für eine Diva. Was zeichnet in deinen Augen eine Diva aus?

Durch meine Arbeit als Kostümbildner habe ich viel Zeit mit großen Diven in Garderoben verbracht, mit berühmten Opernsängerinnen und Schauspielerinnen. Jedes Mal, wenn eine solche Künstlerin vor dem Spiegel steht, beobachte ich eine gewisse Fragilität, eine tief sitzende Unsicherheit, die sie verwandelt und wieder zu einer Anfängerin werden lässt. Das Drama und die Größe einer jeden Künstlerin besteht in der Selbsterkenntnis. Denn selbst wenn sie durch einen vorangegangenen Erfolg an Selbstsicherheit gewonnen hat, beginnt dieser Prozess mit jedem Auftritt wieder aufs Neue. Die Diva erkennt sich selbst nur, wenn das Publikum ihr zujubelt und sie auf diese Weise bestätigt. Der Applaus des Publikums lässt sie jeden Abend wiederauferstehen wie ein Phönix aus der Asche. Das ist etwas, was alle großen Künstlerinnen verbindet.

Was macht Adriana zu einer Diva?

Adriana besitzt alle Eigenschaften einer Diva, ein scheinbares Selbstbewusstsein, das sie oft durch Hochmut ausdrückt, gemischt mit einer gewissen Kindlichkeit und dem Bedürfnis nach Bestätigung. Das Publikum erwartet von der Diva Größe, aber wie bei einem Stierkampf wittert es auch das Blut. In einer solchen Arena, zwischen Erwartung und Verherrlichung, agiert die Diva. Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass Adriana sich am Schluss von der Bühne zurückzieht. Sie steht am Ende ihrer Karriere. Von diesem Punkt bin ich ausgegangen – vom Verlust der Magie, der den wahren Tod Adrianas auslöst.

Cilèas Oper zeigt das Theaterleben sowohl hinter den Kulissen als auch auf der Bühne. Wie beschreibst du in deiner Inszenierung diese Welt, in der Adriana arbeitet und lebt?

Durch die Illusion. Ich wünsche mir, dass man den Staub auf der Bühne wahrnimmt, der plötzlich hell zu glitzern beginnt und sich dann wieder in Staub zurückverwandelt. Mit dem Bühnenbild ebenso wie mit den Kostümen und der Dramaturgie versuche ich zu zeigen, dass der theatrale sowie der kinematografische Akt reine Fiktion sind, die wir aber als absolut wahrhaftig empfinden, solange wir ihr beiwohnen. In dieser Fiktion sucht Adriana sich selbst. Vielleicht sucht sie zum ersten Mal überhaupt nach Authentizität, doch sie findet sich nicht mehr.

Wie stellst du das Theater im Theater konkret dar?

Durch ein Spiel mit Perspektiven. Manchmal sehen wir die eigentliche Aufführung, manchmal nehmen wir den Blickwinkel der Theaterschaffenden ein, die hinter den Kulissen die Aufführung beobachten. Dabei möchte ich bewusst eine gewisse Unschärfe bewahren. Ich wünsche mir, dass wir auch manchmal das Gefühl bekommen, nicht zu wissen, ob das, was wir vor uns sehen, real ist oder gespielt. Es geht mir darum, die Täuschung darzustellen, die große Lüge, die der Theaterakt ist.

Eine leidenschaftliche Liebe verbindet Adriana mit Maurizio, der wiederum auch mit der Fürstin von Bouillon in Beziehung steht. Wie würdest du Maurizios Verhältnis zu den Frauen beschreiben?

Maurizio nutzt seine Verhältnisse zu den Frauen zu seinem eigenen Vorteil aus. Er verkörpert eine gewisse Art von Narzissmus, aber auch eine in der Zeit vorherrschende Form von Machismus. Einerseits benutzt er Adriana, indem er sie mit einer Mutter vergleicht – also mit einer Frau, die ihre eigene Bestätigung darin findet, das Ego der Anderen zu nähren und zu stärken. Andererseits benutzt er die Fürstin von Bouillon als Steigbügelhalterin, um auf der Karriereleiter weiter nach oben zu klettern.

Michonnet ist heimlich in Adriana verliebt. Sie nimmt ihn jedoch nur als väterlichen Freund wahr. Hätte er sie vor ihrem Schicksal bewahren können?

Michonnet liebt Adriana auf einfache und ehrliche Weise, die sie wiederum als tägliche Fürsorge für ihr Leben als Diva versteht. Adriana sieht seine Liebe nicht. Sie will sie nicht sehen, weil ihre Liebe zu Maurizio viel eher den Geschichten und Epen entspricht, die sie als Künstlerin kennt und deren Hauptrollen sie darstellt. Adriana sieht nur, was sie aus ihrem Leben als Schauspielerin kennt, und erkennt nur den Schein als wahrhaftig an. Ihr Schicksal ist unausweichlich.

Laut Libretto stirbt Adriana in der letzten Szene an einer vergifteten Blume, die sie von ihrer Rivalin erhalten hat. Woran scheitert Adriana in deinen Augen?

Adriana stirbt für mich nicht an einer vergifteten Blume. Sie stirbt, weil sie keine Bühne mehr zum Leben hat. Ich möchte nicht alles vorwegnehmen – aber vielleicht erkennen wir in der letzten Szene die künstliche Natur der gesamten Existenz eines Theaterschaffenden, der seinen Körper und sein Denken der Kunst gewidmet hat, aber ohne die Bühne einfach nicht mehr existiert.

Welche Rolle spielt für dich die Musik? Ist sie Inspiration für die optische Umsetzung, für deine Sicht auf Figuren und Vorgänge?

Absolut. Die Musik nimmt einige Formen vorweg, die in den großen Film-Melodramen der 1950er Jahre zu finden sind – denn es ist offensichtlich, dass die Filmmusikkomponisten die klassischen Werke kannten und sich von ihnen inspirieren ließen. Dies hat mich dazu bewegt, Adriana und ihre Welt in einem Filmset anzusiedeln, das sich mal auf den Broadway Boulevards, mal in den Hollywood Hills befindet. Auf diese Weise möchte ich zeigen, dass das Showbusiness flüchtig und vergänglich ist. Die Namen der Künstler*innen verblassen mit der Zeit und irgendwann bleiben von ihnen nur vage Schatten zurück.


Das Gespräch führte Produktionsdramaturgin Elena Garcia Fernandez.
Opernführer Audio
Einen kurzen Einblick in die Produktion „Adriana Lecouvreur“ und ihre Hintergründe gibt Ihnen hier Paul Rumann. Den Opernführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 09:26 Minuten

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