02.04.–27.05.2022 / Ballett

One and others

Christopher Wheeldon | Demis Volpi | Sharon Eyal
Mi 18.05.2022
Theater Duisburg
19:30 - 21:30
Ballett
Im Anschluss: Nachgefragt
67574738292317
Wechselnde Wochentage-Abo A
Termine
19:30 - 21:30
Ballett
9075695949393019
Wechselnde Wochentage-Abo 2
Beschreibung
POLYPHONIA Christopher Wheeldon
ONE AND OTHERS Demis Volpi
SALT WOMB Sharon Eyal

ca. 2 Stunden, zwei Pausen
Empfohlen ab 12 Jahren
Inspiriert durch eine Holzskulptur von Louise Bourgeois hat Demis Volpi „one and others“ 2015 für das Ballet Nacional del Sodre in Uruguay kreiert. Zu einem Streichquartett des zeitgenössischen Komponisten Christos Hatzis ist eine ganz unmittelbar emotionale Arbeit entstanden, in der die zehn Tänzer*innen Zustände des Miteinanders verhandeln.

Der britische Choreograph Christopher Wheeldon wird aktuell besonders für seine abendfüllenden narrativen Ballette gefeiert. Wheeldon hat allerdings auch eine abstrakt orientierte, neoklassische Vergangenheit: Bereits in den 90er Jahren begann er, für das New York City Ballet zu choreographieren, wo auch „Polyphonia“ entstanden ist - eine technisch äußerst herausfordernde Arbeit und ein Meilenstein der Tanzgeschichte.

Die Erfahrung des sich einstellenden körperlichen wie mentalen Zustands ist enorm intensiv – nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Tänzer*innen, die es lieben, in den Arbeiten der israelischen Choreographin Sharon Eyal zu tanzen. „Salt Womb“ ist 2016 für das Nederlands Dans Theater entstanden und nimmt uns mit ins Innere: Ritual und Rausch als Leuchten aus der Dunkelheit. In ihrer ganz eigenen, unheimlich anmutenden Bewegungssprache aus grotesk verkrümmten, repetitiv disziplinierten Körpern, baut Eyal Trancezustände, die uns nicht mehr loslassen.
Polyphonia
Uraufführung am 4. Januar 2001, New York City Ballet

one and others
Uraufführung am 13. August 2015, Ballet Nacional de Sodre, Uruguay

Salt Womb
Uraufführung am 22. September 2016, Nederlands Dans Theater, Den Haag
Choreographie
Musik
György Ligeti
Kostüme
Holly Hynes
Licht
Einstudierung
Pianist*in
Susanna Kadzhoyan
Choreographie
Kostüme
Choreographie
Sharon Eyal, Gai Behar
Musik
Kostüme
Licht
Einstudierung
Besetzung
Stimmen unserer Scouts zu „One and others“
Zur Premiere im Opernhaus Düsseldorf
„One and Others“ - ein Ereignis!

Gediegen:„Polyphonia“ - zehn Tänze, klassisch, schön, dezent, eine Pianistin - stimmig

Einfühlsam:„One and Others“ - Choreographie von Demis Volpi - spannend, starke Bildsprache, beindruckende sphärische "Filmmusik" - ausdrucksstarker Tanz - meisterlich

Körperlich:„Salt Womb“ extrem laut, Technobeats, Lautsprecher im Grenzbereich, 17 eingeölte Tänzer in Kriegsbemalung tanzen wie in Extase
- brutal

Ein Ballettabend der Extraklasse!
Stefan Pütz
Markus Wendel
Ganz leise und intim geht es los. In „Polyphonia“ werden zehn Tänze gezeigt, begleitet von einer Pianistin. Berührt bin ich von der Wärme und dem Wohlklang der Musik. Mitreißend wird es zum zweiten Stück „One and others“ in der Choreographie von Demis Volpi. Es passt einfach alles. Spannung, Bildsprache, Tanz – wirklich herausragend. Das um die Kehlkopfgesänge kanadischer Inuit ergänzte Streichquartett trägt die Szene mit der Anmutung eines Film-Soundtracks. Auch die Geräusche fahrender Lokomotiven werden in die Klanglandschaften eingebettet. In den vom Licht geschaffenen Räumen suchen und finden sich die Tänzerinnen und Tänzer. Alles im Wandel zwischen Geborgenheit, Verlust und einer Suche nach Orientierung. Erschaffen wird eine solch unmittelbare Emotionalität, die mich bis hin zu tiefster Traurigkeit einiges durchleben lässt. Mit „Salt Womb“ wird es wirklich krass. Wie der Schlag eines Herzens pulsiert die Musik. Eine unfassbare Performance.
Beide Daumen hoch – absolut empfehlenswert!
Über „Salt Womb“:

Die Auswahl und die die Abfolge der so unterschiedlichen Interpretationen des Themas „Einzelner und Gruppe“ hätte nicht besser sein können. Die Spannung steigerte sich enorm. Ein unvergesslicher und sehr lohnender Ballettabend. Danach bleibt vor allem das vor allem das letzte Stück, „Salt Womb“, choreographiert von der 1971 geborenen Israelin Sharon Eydal, im Kopf und im Körper des Zuschauenden. Die harten Rhythmen erinnern an das Stampfen einer alten Dampflokomotive oder an Hammerschläge in einem Stahlwerk. Die pulsierenden, lauten Techno-Töne übertragen sich sogar auf den eignen Herzschlag. Diese körperliche Erfahrung verstärkt das Erleben der athletisch extrem anspruchsvollen Tanzdarbietung, die mich ganz in den Bann zieht. Die Tänzer*innen scheinen sich fast traceartig zu bewegen. Ein solch intensives Stück, das mich die Anstrengung der Künstler*innen beinahe selbst körperlich mitwahrnehmen lässt, habe ich noch nie erlebt. Das Publikum ist ebenso begeistert und belohnt die harte Körperarbeit mit tosendem Applaus.
Sassa von Roehl
Charlotte Kaup
Mit „One and others“ zeigt das Ballett am Rhein einen vielseitigen und beeindruckenden Ballettabend, der den Tänzer*innen sowohl körperlich als auch mental eine große Wandelbarkeit abverlangt.
Eröffnet wird er von Christopher Wheeldons „Polyphonia“, einem abstrakten Stück, das vor allem auf klassischen Bewegungen in geometrischen Kompositionen basiert. Ich finde es genial, das Stück übt eine hypnotisierende Wirkung auf mich aus.
Im Gegensatz zum ersten Stück kreiert Demis Volpi mit „one and others“ einen bildhaften, emotionalen Ausdruck. Mit meist klassischen Bewegungen entstehen kleine Handlungssequenzen, diskret verschleiert hinter einem feinen Netz und in kaltes Licht getaucht. Die Szenen erinnern an gefangene Fische, Vögel oder Robben und an Überleben in einer rauen Welt. Als Zuschauer*in beobachtet man eine fremd anmutende Szenerie, die doch bis zuletzt ihren eigenen geheimnisvollen Regeln unterliegt.
Das letzte Stück „Salt Womb“ von Sharon Eyal besticht durch die Kraft und den Rausch der Gruppe. Musik und Choreografie sind repetitiv, rhythmisch, voller Energie und Anstrengung. Die Bühne wird zur Höhle, zur Wüste, zur Feuerstelle. Eyal packt uns Zuschauer und nimmt uns mit auf einen pulsierenden Trip voller Ekstase.
Über „one and others“:

Als Demis Volpi – Fan war sein Stück „One and Others“ (Jahr 2015) für mich der Höhepunkt. Seele in der Musik von Christos Hatzis und in den Bewegungen der fünf Paare, klassische Ballettschritte weiterentwickelt zu einem Ausdruckstanz, auch ganz langsame Bewegungen waren erlaubt und vermittelten Emotionen. Die Annäherung, das Werben, das Auf und Ab der Beziehungen wurden deutlich. Großartig war dann der Pas de deux von Lara Delfino und Dukin Seo. Irgendwie war es nur noch ein gemeinsamer Körper, der in dynamischen oder langsamen Bewegungen Innigkeit vermittelte, man dachte an einen platonischen Liebesakt. Ein spannender Bogen umfasste das ganze Stück, sodass ich verblüfft war, wieviel Zeit vergangen war. Der Beifall war groß.
Hubert Kolb
Stefanie Hüber
Über „one and others“:

Das zweite Stück, „one and others“ von Demis Volpi war voller Emotion und hat es mich sehr beeindruckt. Das Kammermusikstück für Streicher erinnerte teilweise an Filmmusik. Vor allem die Cellosoli berührten mich sehr und unterstrichen die schwermütige Stimmung der Komposition, die sich thematisch mit der damals hohen Suizidrate junger Inuits in Kanada auseinandersetzt. Eingespielte Klopfgeräusche und Kehlkopfgesänge unterstrichen den archaischen Charakter der Musik und standen in krassem Widerspruch dazu, dass sehr viel auf Spitze getanzt wurde, was für mich wiederum für die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit stand. Vor der Bühne hing ein dünner Gazevorhang, den man auf den ersten Blick nicht sah und das Bühnenbild und die Tänzer*innen leicht verschwommen erscheinen ließ. Auch dies unterstrich den vergänglichen, schwindenden Charakter der Atmosphäre.
Über „Polyphonia“:

Die drei Stücke hätten unterschiedlicher nicht sein können. „Polyphonia“ von Christopher Wheeldon besticht in seiner Gesamtkomposition. Dafür wurden zehn einzelne Klavierstücke von György Ligeti zusammengestellt, die ursprünglich wohl nichts miteinander zu tun hatten, wobei die tänzerische Darbietung durch ihre Einfühlsamkeit alles so sehr miteinander verbindet, dass ein äußert harmonisches Klang- und Tanzerlebnis entsteht. Sparsames Bühnenbild und wenige, äußerst geschickt eingesetzte Lichteffekte unterstützen die dem Stück eigene Micropolyphonie. Die Musikstücke alleine hätte ich wohl als anstrengend empfunden, doch vertanzt waren sie einfach stimmig und schön. Ein besonderes Lob gilt hier auch Susanna Kadzhoyan und Eduardo Boetchat am Flügel.
Michael Langenberger
Karolina Wais
Über „Salt Womb“:

Kraft! Bewegung! Stark! „Salt Womb“ ist heute mein Höhepunkt des Abends. Es fängt mit lauter maschineller Techno Musik an, die Tänzer*innen bewegen sich wie in Trance um einen Tänzer. Die Formation schaukelt sich in gleichmäßigen, fast tranceähnlichen kleinen Bewegungen ins Extreme. Die Musik ist so laut, dass ich sie körperlich spüren, mitwippen kann. Die Bewegungen sind mechanisch wiederholend, ihre Monotonie wird aber immer wieder durch neue Transformationen unterbrochen. Sie kommen von innen heraus und sind offensichtlich so anstrengend, dass die Körper vor Schweiß glänzen, salzig werden. Die Tänzer*innen bilden zusammen einen Körper, der pulsiert. Es ist hypnotisierend und lässt mich mitfühlen. Ich will es nochmal sehen und erleben. Vielen Dank für diesen starken Abend!
Zur Premiere im Theater Duisburg
Über „one and others“:

Archaisch und präzise erschafft Demis Volpi eine Welt aus Zwischenräumen und Grenzen, in der Gemeinschaften existieren und einzelne Tänzer*innen versuchen sich als Subjekt zu definieren. Angetrieben von okkulten Gesängen und fahrenden Lokomotiven wird im dritten Satz an einer Tänzerin gezerrt und gerissen, es ist kaum zu ertragen, und doch gibt Sie die Richtung vor. Das Ende kann man nur als kraftvoller und ekstatischer Spitzentanz beschreiben.

Über „Salt Womb“:

Eine Verbindung aus einer gefühlten Menge bestehend aus 30 Tänzer*innen, die eine hypnotisierende Atmosphäre durch sich wiederholenden Bewegungen erschaffen. Hämmernde Musik, ein schwarzer Hintergrund und leuchtende Körper, die sich scheinbar intuitiv zueinander bewegen, beenden den Abend mit dem Wunsch, bald wieder kommen zu können.
Michael Menge
Mila Langbehn
Bereits beim ersten Stück „Polyphonia“ ziehen mich die tanzenden Paare voll in ihren Bann. Ihre Ausstrahlung von verschmitzter Heiterkeit und lasziver Lässigkeit ist so schön anzusehen und von so herrlich ansteckender Lebensfreude, dass ich sofort den Ärger einer ganzen Woche vergesse. Begeistert lasse ich mich mitnehmen auf eine tänzerische Reise voller Liebe und Hingabe. „Dies ist mein absolutes Lieblingsstück“, denke ich beim Applaus, „Ich könnte nun beglückt nach Hause gehen! Was kann jetzt schon noch kommen?!“ Doch diese enorme Ausdrucksstärke der Tanzenden und diese große Intensität ihrer Darbietung steigern sich zusehends! Es ist wie ein Sog, der mich ab dem zweiten Stück tiefer und tiefer in ein enorm kraftvolles Geschehen zieht. Immer erstaunlicher und faszinierender wird das, was sich mit „one and others“ auf der Bühne entfaltet: eine ebenso leidenschaftliche wie starke Frau nimmt es raffiniert-erotisch-kämpferisch mit einer Gruppe Männer auf – atemberaubend – bis hin zum fesselnden Finale!
Über „Salt Womb“:

Den Abschluss macht „Salt Womb“ der israelischen Choreographin Sharon Eyal. Schwere eindringliche Beats lassen den dunklen Saal erschüttern. Das Licht geht an und Ein „Haufen“ Tänzer*innen macht minutenlange Pliés an der gleichen Stelle. Die Musik ist fast nervenraubend. Mein erster Gedanke war, was soll das? Kommt da noch was? Das ist doch kein Ballett. Doch nach und nach entwickelt sich das Stück zu einem Tanz, immer noch kein Ballett, aber ein Tanz. Fließende Bewegungen der ganzen Gruppe wirken im Zusammenspiel mit der Musik fast hypnotisierend. Immer wieder löst sich individuell einer der Tänzer aus der Gruppe und findet sich ebenso wieder ein. Minutenlange Schwerstarbeit, sehr beeindruckend. Man sieht den Tänzer*innen die Anstrengung an. Und zum Schluss, standing ovations und minutenlanger Applaus des Publikums. Ein fantastischer Abend!
Myriam Kasten
Isabell Fedrizzi
Über „Polyphonia“:

Zu der teils kantigen, aber zugleich auch erzählenden und kontrastreichen Klaviermusik von György Ligeti zeigt „Polyphonia“ eine Abfolge von zehn verschiedenen Nummern: Zwischen einer „Ouvertüre und einem Schlusspunkt führen die Nummern durch einen Kosmos von ausdrucksstarken Pas de deux oder Gruppentänzen. Vor schlichtem, stimmungsvoll stahlblau leuchtendem Hintergrund wechseln sich die Tanzpaare ab und bleiben doch bei aller Polyphonie, also „Mehrstimmigkeit“, und den oft chaotisch klingenden Strukturen ungeheuer präzise und in jeder Bewegung auf die Musik (und ebenso auf den/die Tanzpartner) abgestimmt. Man meint z.B. die Struktur einer Fuge im Tanz wiederzuentdecken – ein Tanzpaar gibt choreographisches Material vor und die anderen folgen dem Vorbild nacheinander. Dadurch ergibt sich für das Auge eine Symmetrie und Ordnung, die das Ohr nicht wahrnimmt – darin liegt ein ganz besonderer Reiz dieses Stückes.
„One and others“ ist eine grandiose Ballettaufführung. Mich in Erstaunen versetzende körperliche Höchstleistungen der Tänzer*innen, präzise und perfekt vertanzte ausgezeichnete zeitgenössische Musik, auf das minimalste reduzierte, und trotzdem die gesamte Botschaft der Stücke unterstreichende Kostüme und interessante Lichtinstallationen haben diesen Abend zu einer überwältigenden Aufführung für mich gemacht. Fast ein wenig berauscht verließ ich das Theater, wozu der dreiteilige Aufbau von „One and others“ mit der ans Ende gesetzte Choreographie „Salt Womb“ der israelischen Choreographin, Sharon Eyal, Gai Behar, mit Sicherheit in erheblichem Maß beigetragen hatte. Techno-Rhythmen von Ori Lichtik wurden in einer fast hypnotischen, mitreißenden Gruppenchoreografie vertanzt. Kraftvolle, energische Bewegungen einer wogenden Menge, angetrieben von einem mit dem Rücken zum Publikum „aufgebauten“ Tänzer*innen schafften eine düstere, faszinierende Stimmung, die mich mitriss und begeisterte.
Dagmar Ohlwein
Ballettführer Audio
Einen kurzen Einblick in den Ballettabend „one and others” und seine Choreographien gibt Ihnen hier Dramaturgin Carmen Kovacs. Den Ballettführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 10:54 Minuten

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