14.05.–05.06.2022 / Oper

Adriana Lecou­vreur

Francesco Cilea
Termine
9681756554433221
Sonntagnachmittags-Abo 2
9681756554433221
Beschreibung
Oper in vier Akten
Libretto von Arturo Colautti nach dem Schauspiel „Adrienne Lecouvreur“ von Eugène Scribe und Ernest Legouvé
Eine Produktion des Staatstheaters Mainz
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
ca. 2 ¾ Stunden
Adriana Lecouvreur lebt für die Kunst. Mit intensivem Spiel und unpathetischer Natürlichkeit fesselt die Schauspielerin Abend für Abend ihr Publikum. Auch Regisseur Michonnet verehrt sie seit langem - glücklos. Denn neben der Schauspielerei gilt ihre Liebe nur Maurizio. Für Adriana hat er sein heimliches Verhältnis mit einer einflussreichen Fürstin beendet. Rasend vor Eifersucht sinnt diese auf Rache…

Es gab sie wirklich: die Schauspielerin Adrienne Lecouvreur, unbestrittener Star der Comédie Française ab 1717, damals 23 Jahre jung. Allabendlich jubelten ihr über 1000 Menschen jeden Standes zu. Als sie, in eine leidenschaftliche Beziehung zu Moritz von Sachsen verstrickt, 13 Jahre später plötzlich starb, rankten sich bald dramatische Gerüchte um ihren Tod: die eifersüchtige Fürstin von Bouillon habe ihre Nebenbuhlerin vergiftet… Dieser Kolportagedramatik konnten sich weder Theaterautor Eugène Scribe, noch Sarah Bernhard, die Adrienne der Schauspieluraufführung im Jahr 1849, noch Francesco Cilèa entziehen. Geschickt verbanden sie historische und biografische Fakten mit erfundenen Gerüchten zu einer spannungsgeladenen, verwickelten Dreiecksgeschichte. Francesco Cilèa, seinerzeit gefeierter Zeitgenosse Puccinis, scheint in der eleganten, melodien- wie farbenreichen Partitur mit ausdrucksvoll-geschmeidigen Gesangspartien stellenweise bereits die frühe Filmmusik vorwegzunehmen. 1902, mit Enrico Caruso in der Rolle des Maurizio, feierte „Adriana Lecouvreur“ an der Mailänder Scala ihre fulminante Weltpremiere.

Regisseur und Ausstatter Gianluca Falaschi verortet den Blick hinter die Kulissen und in die Gefühlswelt einer großen Diva auf dem fragilen Zenit ihrer Popularität in der Kunst- und Traumwelt des Theaters im Stil der Goldenen Ära Hollywoods, in der sich Realität und Illusion, Menschen und ihre Rollen durchdringen: Was ist Wirklichkeit, was Kunst? Was bleibt, wenn das Rampenlicht verlischt?
Musikalische Leitung
Inszenierung und Ausstattung
Besetzung
Adriana Lecouvreur
Maurizio
Michonnet
Die Fürstin von Bouillon
Der Fürst von Bouillon
Der Abbé von Chazeuil / Maggiordomo
Dangeville
Poisson
Quinault

Adriana Lecouvreur

Stimmen unserer Scouts zu "Adriana Lecouvreur"
Zur Premiere im Opernhaus Düsseldorf
Musikalisch ein wirklich fabelhafter Abend! Ich frage mich, warum von dieser Oper nicht öfter in den Spielplänen zu lesen ist. Jeder Fan von Puccini wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Auch die Besetzung ist wirklich gelungen, allen voran Liana Aleksanyan als Adriana. Vom Applaus holt sie sich zu Recht den größten Anteil ab.
Die Inszenierung schenkt uns Bilder in der glitzernden Ästhetik der frühen Hollywood-Jahre, mit Kostümen irgendwo zwischen Zirkus und Varieté. Das muss man mögen, ich wäre mit etwas weniger auch glücklich gewesen.
Schon für die wunderbare Musik kann ich einen Besuch nur dringend empfehlen! Für viele Stunden habe ich hiervon einen Ohrwurm mitgenommen.
Markus Wendel
Karolina Wais
Es ist schön hinter die Kulissen einer Oper schauen zu dürfen, denn so fängt die heutige Premiere an. Der Zuschauer hat den Einblick auf eine Bühne und auf eine Garderobe. Es wird ein glamouröses und buntes Treiben hinter und auf der Bühne gezeigt. Die Inszenierung macht daher von Anfang an Spaß.
Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur) und Ramona Zaharia (La Principessa di Bouillon) spielen und singen ihre Rollen hervorragend, sie berühren mich sehr mit ihrer Bühnen- und Stimmpräsenz.
Diese Oper ist schillernd, romantisch, wie aus einem amerikanischen Film entsprungen. Es ist eine dramatische Liebestragödie, glamourös inszeniert. Die Musik gleicht der aus einem alten Liebesfilm, das Bühnenbild und die Kostüme glänzen eines heller als das andere.
Ich bin ein großer Fan des Chors der Deutschen Oper am Rhein und vermisse an diesem Abend ein bisschen seine mächtige Stimmgewalt.
Die Inszenierung der „Adriana“ ist sehr sehens- und hörenswert. Die anderen Zuschauer*innen sind auch begeistert.
Tiefsinnige Erzählungen benötigen wohl viel Erklärung und Einleitung, so der erste Akt. Gewissermaßen eine Anstrengung. Doch mit den musikalischen Dialogen von Adriana Lecouvreur (Liana Aleksanyan) und der Fürstin von Bouillon (Ramona Zaharia), präsentiert diese selten gespielte Oper ihre musikalischen Stärken. Hinreißender Gesang, melodiös an große Hollywood-Klassiker erinnernd - ein Ohrenschmaus. Enorm viele Melodiefetzen des 1902 uraufgeführten Werks erinnern an spätere Film- und Musical Klassiker.
So schuf Francesco Cilèa zahlreiche Inspirationen für nachfolgende Komponist*innen. Dazu das Glitzer- und Glimmerbühnenbild und die Kostüme, an gleiche Zeit erinnernd, holt die Geschichte aus der Zeit von 1730 ins Heute.
Kein geringerer als Enrico Caruso sang bei der Uraufführung den Maurizio; für uns präsentierte Sergey Polyakov sein Können.
Es sind diese ausgesucht delikaten “Opern-Pralinen”, die den Spielplan in Düsseldorf so abwechslungsreich und anregend gestalten. Einen Dank an alle!
Michael Langenberger
Glitzer zu Staub – Gianluca Falaschi im Gespräch
Adriana Lecouvreur handelt von einer berühmten Schauspielerin und erzählt eine tragische Eifersuchtsgeschichte. Welcher Aspekt der Oper interessiert dich am meisten?

Gianluca Falaschi: Für mich ist der wichtigste Aspekt die Hommage, die Francesco Cilèa mit diesem Werk dem Theater erwiesen hat. Adrianas Leben ist vom Theater erfüllt. Sie lebt ihre Leidenschaften mit der gleichen Intensität, mit der sie ihre tragischen Rollen interpretiert, und lenkt in gewisser Weise die Ereignisse bis zum Ende hin – fast wie eine Regisseurin. Es war mir sehr wichtig zu zeigen, wie sehr eine Aufführung, ja das gesamte Showbusiness, die Wahrnehmung der Realität bei denjenigen verändert, die dafür leben. Adriana betritt die Szene und erklärt sich zur Dienerin der Kunst. Sie ist Theater durch und durch. Ohne die Bühne verliert sie ihre Daseinsberechtigung.

Du gestaltest neben Regie auch Bühne und Kostüme. Wo hast du die Geschichte um Adriana verortet und für welche Ästhetik hast du dich entschieden?

Ich wollte dem Theater des vergangenen Jahrhunderts huldigen, der Welt des Broadway ebenso wie den großen Hollywood-Filmen, die vom Musical inspiriert sind. Dabei habe ich versucht, mich auf einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren zu konzentrieren – vom Schwarzweiß der Ginger Rogers-Filme bis zum Technicolor der 1950er Jahre, von der Naivität des Vaudeville bis zur psychologischen Intensität des Dramas. Ich habe eine Ästhetik im Stil der Goldenen Ära Hollywoods entworfen und dabei eine Grausamkeit einfließen lassen, wie sie Rainer Werner Fassbinder durch das blendende Weiß der Veronika Voss zum Ausdruck bringt.

Vorbild für die Rolle der Adriana ist eine historische Figur: Adrienne Lecouvreur, eine berühmte Schauspielerin, die Anfang des 18. Jahrhunderts den Vortragsstil an der Comédie-Française revolutionierte. Zahlreiche große Künstlerinnen wie Sarah Bernhardt, Eleonora Duse oder Maria Callas haben diese Rolle später verkörpert. Man könnte also sagen, Adriana Lecouvreur ist eine Oper über und für eine Diva. Was zeichnet in deinen Augen eine Diva aus?

Durch meine Arbeit als Kostümbildner habe ich viel Zeit mit großen Diven in Garderoben verbracht, mit berühmten Opernsängerinnen und Schauspielerinnen. Jedes Mal, wenn eine solche Künstlerin vor dem Spiegel steht, beobachte ich eine gewisse Fragilität, eine tief sitzende Unsicherheit, die sie verwandelt und wieder zu einer Anfängerin werden lässt. Das Drama und die Größe einer jeden Künstlerin besteht in der Selbsterkenntnis. Denn selbst wenn sie durch einen vorangegangenen Erfolg an Selbstsicherheit gewonnen hat, beginnt dieser Prozess mit jedem Auftritt wieder aufs Neue. Die Diva erkennt sich selbst nur, wenn das Publikum ihr zujubelt und sie auf diese Weise bestätigt. Der Applaus des Publikums lässt sie jeden Abend wiederauferstehen wie ein Phönix aus der Asche. Das ist etwas, was alle großen Künstlerinnen verbindet.

Was macht Adriana zu einer Diva?

Adriana besitzt alle Eigenschaften einer Diva, ein scheinbares Selbstbewusstsein, das sie oft durch Hochmut ausdrückt, gemischt mit einer gewissen Kindlichkeit und dem Bedürfnis nach Bestätigung. Das Publikum erwartet von der Diva Größe, aber wie bei einem Stierkampf wittert es auch das Blut. In einer solchen Arena, zwischen Erwartung und Verherrlichung, agiert die Diva. Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass Adriana sich am Schluss von der Bühne zurückzieht. Sie steht am Ende ihrer Karriere. Von diesem Punkt bin ich ausgegangen – vom Verlust der Magie, der den wahren Tod Adrianas auslöst.

Cilèas Oper zeigt das Theaterleben sowohl hinter den Kulissen als auch auf der Bühne. Wie beschreibst du in deiner Inszenierung diese Welt, in der Adriana arbeitet und lebt?

Durch die Illusion. Ich wünsche mir, dass man den Staub auf der Bühne wahrnimmt, der plötzlich hell zu glitzern beginnt und sich dann wieder in Staub zurückverwandelt. Mit dem Bühnenbild ebenso wie mit den Kostümen und der Dramaturgie versuche ich zu zeigen, dass der theatrale sowie der kinematografische Akt reine Fiktion sind, die wir aber als absolut wahrhaftig empfinden, solange wir ihr beiwohnen. In dieser Fiktion sucht Adriana sich selbst. Vielleicht sucht sie zum ersten Mal überhaupt nach Authentizität, doch sie findet sich nicht mehr.

Wie stellst du das Theater im Theater konkret dar?

Durch ein Spiel mit Perspektiven. Manchmal sehen wir die eigentliche Aufführung, manchmal nehmen wir den Blickwinkel der Theaterschaffenden ein, die hinter den Kulissen die Aufführung beobachten. Dabei möchte ich bewusst eine gewisse Unschärfe bewahren. Ich wünsche mir, dass wir auch manchmal das Gefühl bekommen, nicht zu wissen, ob das, was wir vor uns sehen, real ist oder gespielt. Es geht mir darum, die Täuschung darzustellen, die große Lüge, die der Theaterakt ist.

Eine leidenschaftliche Liebe verbindet Adriana mit Maurizio, der wiederum auch mit der Fürstin von Bouillon in Beziehung steht. Wie würdest du Maurizios Verhältnis zu den Frauen beschreiben?

Maurizio nutzt seine Verhältnisse zu den Frauen zu seinem eigenen Vorteil aus. Er verkörpert eine gewisse Art von Narzissmus, aber auch eine in der Zeit vorherrschende Form von Machismus. Einerseits benutzt er Adriana, indem er sie mit einer Mutter vergleicht – also mit einer Frau, die ihre eigene Bestätigung darin findet, das Ego der Anderen zu nähren und zu stärken. Andererseits benutzt er die Fürstin von Bouillon als Steigbügelhalterin, um auf der Karriereleiter weiter nach oben zu klettern.

Michonnet ist heimlich in Adriana verliebt. Sie nimmt ihn jedoch nur als väterlichen Freund wahr. Hätte er sie vor ihrem Schicksal bewahren können?

Michonnet liebt Adriana auf einfache und ehrliche Weise, die sie wiederum als tägliche Fürsorge für ihr Leben als Diva versteht. Adriana sieht seine Liebe nicht. Sie will sie nicht sehen, weil ihre Liebe zu Maurizio viel eher den Geschichten und Epen entspricht, die sie als Künstlerin kennt und deren Hauptrollen sie darstellt. Adriana sieht nur, was sie aus ihrem Leben als Schauspielerin kennt, und erkennt nur den Schein als wahrhaftig an. Ihr Schicksal ist unausweichlich.

Laut Libretto stirbt Adriana in der letzten Szene an einer vergifteten Blume, die sie von ihrer Rivalin erhalten hat. Woran scheitert Adriana in deinen Augen?

Adriana stirbt für mich nicht an einer vergifteten Blume. Sie stirbt, weil sie keine Bühne mehr zum Leben hat. Ich möchte nicht alles vorwegnehmen – aber vielleicht erkennen wir in der letzten Szene die künstliche Natur der gesamten Existenz eines Theaterschaffenden, der seinen Körper und sein Denken der Kunst gewidmet hat, aber ohne die Bühne einfach nicht mehr existiert.

Welche Rolle spielt für dich die Musik? Ist sie Inspiration für die optische Umsetzung, für deine Sicht auf Figuren und Vorgänge?

Absolut. Die Musik nimmt einige Formen vorweg, die in den großen Film-Melodramen der 1950er Jahre zu finden sind – denn es ist offensichtlich, dass die Filmmusikkomponisten die klassischen Werke kannten und sich von ihnen inspirieren ließen. Dies hat mich dazu bewegt, Adriana und ihre Welt in einem Filmset anzusiedeln, das sich mal auf den Broadway Boulevards, mal in den Hollywood Hills befindet. Auf diese Weise möchte ich zeigen, dass das Showbusiness flüchtig und vergänglich ist. Die Namen der Künstler*innen verblassen mit der Zeit und irgendwann bleiben von ihnen nur vage Schatten zurück.


Das Gespräch führte Produktionsdramaturgin Elena Garcia Fernandez.
Opernführer Audio
Einen kurzen Einblick in die Produktion „Adriana Lecouvreur“ und ihre Hintergründe gibt Ihnen hier Paul Rumann. Den Opernführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 09:26 Minuten

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