25.02.–10.05.2024 / Oper

Eugen Onegin

Peter Iljitsch Tschaikowsky
Termine
18:30 - 21:30
Premiere Oper
Diese Aufführung wird für ein Online- Streaming aufgezeichnet, das auf www.operavision.eu ab dem 23 März sechs Monate lang kostenlos abrufbar ist.
Wir weisen Sie darauf hin, dass Sie ggfs. ins Blickfeld der Kamera geraten könnten. Mit Ihrer Anwesenheit geben Sie der Deutschen Oper am Rhein die Erlaubnis, diese Aufnahmen zu erstellen und zeitlich unbefristet zu veröffentlichen.
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Premieren-Abo Düsseldorf
19:30 - 22:30
Freundeskreispremiere Oper
Diese Aufführung wird für ein Online- Streaming aufgezeichnet, das auf www.operavision.eu ab dem 23 März sechs Monate lang kostenlos abrufbar ist.
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Samstags-Abo 1
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Kleines Abo 2, Wechselnde Wochentage-Abo 3
19:30 - 22:30
Familienkarte Oper
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Mit der Familienkarte 10 € für jedes eingetragene Familienmitglied
Alle Infos zur Buchung hier
19:30 - 22:30
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit Oper
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Freitags-Abo
Beschreibung
Die Liebe kommt zu spät. Eine Geschichte von Leidenschaft und Bindungsangst
Lyrische Szenen in drei Akten
Libretto von Peter Iljitsch Tschaikowsky und Konstantin S. Schilowsky nach dem Versroman von Alexander Puschkin
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
ca. 3 Stunden, eine Pause
Empfohlen ab 14 Jahren
Als Eugen Onegin in Tatjanas geordnetes Leben tritt, erscheint er ihr wie eine Gestalt aus ihren Romanen. Hals über Kopf verliebt sich die junge, unerfahrene Frau in den weltgewandten Lebemann. Doch dieser wehrt ihre Zuneigung ab – sein rastloser Lebenswandel eigne sich nicht für eine langfristige Bindung. Jahre später begegnen sich die beiden erneut: Die gereifte Tatjana ist eine Vernunftehe mit dem wesentlich älteren Fürsten Gremin eingegangen und eine wohlhabende Frau geworden. Erschüttert erkennt Onegin, dass Tatjana doch die Richtige für ihn gewesen wäre. Doch jetzt ist es sie, die seine leidenschaftlichen Bekenntnisse zurückweist…

Ein Jahr vor der „Jungfrau von Orléans“ gelang Peter I. Tschaikowsky mit der Vertonung von Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ 1879 der internationale Durchbruch als Komponist. Sein inniges Mitgefühl mit der unerwidert liebenden Tatjana ließ Tschaikowsky nach einem musikalischen Ausdruck forschen, der sich bewusst vom Opernpathos seiner Zeit abzusetzen versuchte. In seinen „Lyrischen Szenen“ konturierte er mit feinem psychologischem Gespür die unerfüllten Sehnsüchte einer sich selbst überdrüssig gewordenen Gesellschaft, die Regisseur Michael Thalheimer in seiner vierten Arbeit für die Deutsche Oper am Rhein ins Bild setzt.
Mit freundlicher Unterstützung durch den Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein e.V.
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Chorleitung
Dramaturgie
Konzeptionelle Vorbereitung
Besetzung
Eugen Onegin
Filipjewna
Triquet
Saretzkij
Ein Hauptmann
Volker Philippi/Junho Jung
Vorsänger
Mamuka Manjgaladze/Dong Hoon Kim
Opernführer Audio
Einen kurzen Einblick in die Produktion „Eugen Onegin” und ihre Hintergründe gibt Ihnen hier Dramaturgin Anna Grundmeier. Den Opernführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 08:39 Minuten
Wie eine Malerei mit sehr feinem Pinselstrich - Im Gespräch mit Dirigent Vitali Alekseenok
Peter Tschaikowsky hat „Eugen Onegin“ bewusst mit der Genrebezeichnung „Lyrische Szenen“ versehen. Was meinte er damit, und wie macht sich dies in der Musik der Oper bemerkbar?

Ich möchte von einer anderen Seite beginnen: Über die „Jungfrau von Orléans“, die direkt nach „Onegin“ entstand, hatte Tschaikowsky damals geschrieben, er wolle eine große Oper komponieren, aber ohne die üblichen Dinge wie Märsche, Chor-Tableaus, etc. Am Ende wurde seine „Jungfrau“ jedoch genau das: ein mächtiges Werk mit vielen großformatigen Chören und einer durchaus massiven Klangwirkung. „Onegin“ ist für mich das absolute Gegenteil davon. In den „Lyrischen Szenen“ gibt es eine fast kammermusikalische Intimität, sowohl in der handwerklichen Herangehensweise wie auch in der inhaltlichen Positionierung. Die Partitur wirkt wie eine Malerei mit sehr feinem Pinselstrich, alles ist sehr sensibel und detailreich gezeichnet. Zwar gibt es auch hier ein paar opulentere Tutti- Momente; diese dienen aber eher als Kontrast, damit das Kleine und Feine noch raffinierter zum Vorschein kommt. Von der ersten Sekunde an führt uns Tschaikowsky in diese lyrische Stimmung ein, wenn die Ersten Geigen die Oper mit Tatjanas Motiv eröffnen: einer kurzen, zerbrechlichen Phrase, die wie ein melancholisches Fragezeichen über der gesamten Oper zu
schweben scheint. Es ist das Motiv der unerfüllten Liebe und Sehnsucht, unter der
alle Figuren in „Eugen Onegin“ leiden.
Peter Tschaikowsky war, wenngleich eine Generation jünger, ein Zeitgenosse von Giuseppe Verdi und Richard Wagner. Sind in seinen Opern Einflüsse der beiden Komponisten zu erkennen?

In Russland kam zu jener Zeit alles ein bisschen verspätet an, weil es nicht diesen unbedingten Fokus auf die westeuropäische Kultur gab. Tschaikowsky war jedoch ziemlich gut informiert. Er hatte eine Zeitlang als Musikkritiker gearbeitet und die musikalischen Entwicklungen in Europa aufs Genaueste beobachtet. Dabei hatte er auch die ersten Bayreuther Festspiele als Journalist begleitet, war vom „Ring“ jedoch eher wenig begeistert, da er mit Wagners monumentalem Kompositionsstil und seinen Ideen von Heldentum nichts anfangen konnte. Verdis Interesse am Menschen und seine eher lyrische Herangehensweise lagen ihm da schon näher, wie man an seiner Entscheidung für Alexander Puschkins „Onegin“ merkt. Für Wagner wäre solch ein Stoff viel zu alltäglich gewesen!
Vitali Alekseenok
Bei einer Probe zu "Eugen Onegin": Michael Thalheimer (Inszenierung), Vitali Alekseenok (Musikalische Leitung) und Team
Wo setzt Tschaikowsky eigene Akzente gegenüber Puschkins Romanvorlage?

Puschkins „Onegin“ ist sicherlich vielschichtiger, ambivalenter als Tschaikowskys Vertonung. Es gibt sehr viele unterschiedliche Ebenen darin: Da ist zum einen die Handlungsebene, dann der Kommentar durch einen fiktiven Autor, der aber nicht Puschkin ist, und darüber dann noch einmal Puschkins eigene Sicht auf die Dinge, die er immer wieder durchscheinen lässt. So können sich die Leserinnen und Leser ständig entscheiden: Habe ich Mitgefühl mit Tatjana, Lenski und co, oder der behalte ich die ironische Distanz der fiktiven Erzählerfigur?

Oder gibt es vielleicht noch eine dritte Perspektive, nämlich die von Alexander Puschkin? Solch eine komplexe Erzählstruktur ist in einem Opernlibretto natürlich nicht möglich, aber das war auch nicht das, was Tschaikowsky an Puschkins Roman interessiert hat, ebenso wenig wie die Satire. In Situationen, die Puschkin mit einem ironischen Lachen kommentiert, zeichnet Tschaikowsky die Bitterkeit, die inneren Tragödien dahinter; er leidet wirklich mit jeder einzelnen seiner Figuren mit. Das gibt der Musik eine Emotionalität, die mit rationalen Mitteln nicht zu beschreiben ist. Es ist eine Musik zum Fühlen, zum Mitempfinden und darin liegt der große Unterschied zu Alexander Puschkin.
Gibt es denn eine Figur in der Oper, mit der Tschaikowsky am stärksten mitempfindet?

Ganz eindeutig mit Tatjana! Alles beginnt und endet mit ihrer Musik, die ganze Partitur
ist musikalisch durchdrungen von der Frage: „Was fühlt Tatjana in dieser oder jener
Situation“? Sie ist eine empfindsame junge Frau, die das Gefühl hat, in der Provinz steckengeblieben zu sein, nicht wegzukommen. Also flüchtet sie in eine innere Emigration, und diese innere Welt macht Tschaikowsky mit großer Sensibilität für uns alle hör- und erlebbar. Dem entsprechend emotional wird es, als sich Tatjana zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt.

Im Gegensatz dazu wirkt Onegin musikalisch wie ein emotionaler Trittbrettfahrer. Obwohl
wir ihm als einem intelligenten Mann mit perfekten Manieren begegnen, bleibt seine Musik merkwürdig nichtssagend, immer eine Spur daneben. Er lässt sich dorthin mittreiben, wo Lebendigkeit ist, produziert jedoch wenig eigene Lebendigkeit – wenn es am Ende der Oper wirklich emotional wird, so ist das musikalisch Tatjanas Emotionalität, nicht Onegins. Das Stärkste, was man von seinen eigenen Gefühlen mitbekommt, ist eine gewisse Bitterkeit.
Bei einer Probe zu "Eugen Onegin": Ekaterina Sannikova (Tatjana), Sergej Khomov (Triquet), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Bei einer Probe zu "Eugen Onegin: Chor der Deutschen Oper am Rhein
Welche Rolle spielen die bäuerlichen Lieder und Tänze im ersten Akt der Oper?

Für Tschaikowsky hat diese volkstümliche Musik weniger eine inhaltliche als eine dramaturgische Funktion. Er benutzt sie als Kontrast zu der eleganten Petersburger Gesellschaft im zweiten Akt, aber – viel wichtiger – im ersten Akt auch als Kontrast zu
den Erlebnissen und Gefühlen Tatjanas. Tatjana kommt ja wie ihre Schwester Olga auch eher aus der bäuerlichen Welt, hat sich aber durch ihre Bücher innerlich eine ganz andere, schillerndere Welt erschaffen. Diesem Kontrast hat Tschaikowsky gleich von Beginn der Oper einen großen Raum eingeräumt. Vielleicht schwingt da auch eine sozialkritische Note mit, aber mein Gefühl ist, dass es Tschaikowsky eher um das Innerliche als um Gesellschaftskritik ging.
Trotzdem scheinen entscheidende emotionale Entwicklungen der Figuren irgendwie im Dunkeln zu bleiben. Wie wird Tatjana vom introvertierten Mädchen vom Lande zur Frau eines Petersburger Fürsten?

Wir erfahren es nicht! Die entscheidenden Momente der Oper passieren nicht in der Musik, sondern in der Stille, in der Pause zwischen dem zweiten und dritten Akt. Ich hatte in meiner Jugend eine Phase, in der ich etwa zwei Wochen lang jeden Tag „Onegin“ gehört habe, ich war süchtig nach dieser Musik. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass man nach dem Duell zwischen Lenski und Onegin eine Pause braucht, um wirklich realisieren zu können, was da eigentlich gerade passiert ist.
Wenn man sich den „Onegin“ zu Hause anhört, sollte man mehrere Stunden Pause zwischen dem zweiten und dritten Akt einlegen, vielleicht sogar einen ganzen Tag. Nur wenn man dazwischen selbst etwas erlebt, kriegt man auch die Veränderung mit, die zwischen den beiden Akten passiert. In der ursprünglichen Fassung hatte Tschaikowsky noch 28 Takte für den Chor komponiert, in denen man noch etwas Zeit hat, sich auf die „neue“, reiche Tatjana vorzubereiten. Die hat er dann aber später selbst aus der Partitur gestrichen, so kommt ihr Auftritt als Fürstin Gremina nicht nur für Onegin, sondern auch für uns Zuschauerinnen und Zuschauer total unerwartet.

Tschaikowsky war es wichtig, die Oper an einem Konservatorium uraufführen zu lassen – warum?

„Eugen Onegin“ ist eine Oper, die im osteuropäischen Raum besonders von jungen Menschen geliebt wird, weil es all die intensiven Gefühle beschreibt, die man in dieser Phase seines Lebens zum ersten Mal durchlebt. Deshalb wollte Tschaikowsky gezielt mit jungen Menschen arbeiten, auch wenn es gar nicht so einfach war, Leute zu finden, die den stimmlichen Anforderungen der Partien gewachsen waren. Er wollte, dass sich seine Sängerinnen und Sänger noch selbst daran erinnern können, wie es ist, zum ersten Mal Liebe und Liebeskummer zu erfahren. Sie sollten ihre Rollen nicht spielen, sondern erleben, alles sollte möglichst natürlich sein und direkt zum Publikum sprechen. Auch das trägt zum intimen Charakter von „Eugen Onegin“ bei. //

Bogdan Baciu

über die Titelpartie

Ekaterina Sannikova

über die Partie der Tatjana

Ovidiu Purcel

über die Partie des Lenski

Ramona Zaharia

über die Partie der Olga

Wei­tere Em­pfeh­lung­en