02.10.–13.11.2022 / Oper

Der flie­gen­de Hol­län­der

Richard Wagner
So 13.11.2022
Theater Duisburg
18:30 - 20:45
Oper
78685848382819
Kleines Abo, Wechselnde Wochentage-Abo D
Termine
15:00 - 17:15
Oper
78685848382819
Sonntagnachmittags-Abo
19:30 - 21:45
Oper
78685848382819
Wechselnde Wochentage-Abo B
18:30 - 20:45
Oper
78685848382819
Klassik Abo, Wechselnde Wochentage-Abo E
18:30 - 20:45
Oper
78685848382819
Kleines Abo, Wechselnde Wochentage-Abo D
Beschreibung
Romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto vom Komponisten
In deutscher Sprache mit Übertiteln
ca. 2 ¼ Stunden, keine Pause
Empfohlen ab 12 Jahren
Der Fremde, den sie den „Fliegenden Holländer“ nennen, ist anders als die Männer, die Sentas provinzielle Welt bevölkern: anders als die Matrosen-Freunde ihrer Gefährtinnen, aber vor allem anders als ihr bodenständiger Verlobter Erik, der Senta liebt, aber eben kein Seefahrer ist. Ein Außenseiter wie sie, noch dazu umweht von einem aufregend düsteren Verhängnis: Einst, so erzählen es die Geschichten ihrer Kindheit, hat der Holländer Gott verflucht; zur Strafe muss er mit seinem Geisterschiff so lange die Weltmeere kreuzen, bis eine wahrhaft liebende Frau ihn von seinem Fluch erlöst. Senta spürt: Sie ist dazu bestimmt, das Schicksal des legendären Seemanns zu wenden…

Richard Wagners 1843 uraufgeführte Oper „Der fliegende Holländer“ ist mehr als nur ein maritimes Schauermärchen: Mit dem Seelendrama einer Frau, deren Liebessehnsucht die eng gesteckten Grenzen der Gesellschaft sprengt, setzt der Komponist hier bereits die erzählerischen Leitmotive späterer Werke wie „Tristan und Isolde“, „Parsifal“ oder „Der Ring des Nibelungen“.

Regisseur Vasily Barkhatov gehört zu den Shootingstars seiner Generation. Nach viel beachteten Arbeiten u.a. für die Opernhäuser in Hannover, Wiesbaden, Frankfurt, Berlin, Stockholm und Wien inszeniert er nun erstmals an der Deutschen Oper am Rhein.
Musikalische Leitung
Inszenierung
Lightdesign
Besetzung
Stimmen unserer Scouts zu "Der fliegende Holländer"
Carolin de Bruijn
Die klassische Oper aus Wagners früheren Werken, welche eigentlich von Liebe und Erlösung handelt, wurde durch eine originelle Neuinszenierung komplett umgekrempelt: Aus Liebe und Erlösung werden hier nämlich schnell Wunschdenken und Besessenheit. Schon beim ersten Ton der Ouvertüre beginnt Sentas vermeintliche Obsession vom Holländer, als sie als kleines Mädchen gebannt vor der Leinwand im Kino sitzt und wenig später nur noch Merchandising mit dem Gesicht ihres Helden trägt. Dabei hat es mir sehr gefallen, dass man als Zuschauer*in ebenfalls die Filmaufnahmen auf der Leinwand spiegelverkehrt schauen konnte. So wurde direkt zu Beginn der Fokus auf Senta als Hauptfigur und ihren Feuereifer auf den Holländer gelegt. Auch das Bühnenbild wurde an die Neuinszenierung der Oper angepasst und enthielt viele spannende Details zur Botschaft der Geschichte und Sentas Psychologie.
Eine äußerst gelungene Inszenierung, die ohrenbetäubende Standing Ovations lieferte und noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Wer dieses Stück bereits gesehen hat und die Handlung kennt, wird überrascht sein von dieser Inszenierung. Ich kannte die Handlung, habe das Stück jedoch nie gesehen und war dennoch überrascht. Denn die Oper startet mit einem Bühnenbild, das man nicht erwartet: „Hinter“ einer Kinoleinwand sitzend, wird man zum Beobachter eines Kinosaals in dem „Der fliegende Holländer“ läuft. Dabei ist es dem echten Publikum möglich, die Filmsequenzen zu verfolgen. Auf eine "unsichtbare" Leinwand zwischen Bühne und Publikum werden zusätzlich Effekte projiziert, die das Bühnengeschehen eindrucksvoll unterstützen. Als wäre man im 3D-Kino und nicht in der Oper. Allgemein besticht diese Oper mit einem spannenden, schön anzusehenden und detailreichen Bühnenbild, sehr guten Darsteller*innen und einem tollen Sound. Vieles davon erwartet man nicht in der Oper und erst recht nicht in einem fast 200 Jahre alten Stück. Dem Regisseur gelingt es ein klassisches Stück in die Moderne zu übertragen und dabei den Charme einer alten Seefahrergeschichte geschickt mit neuen Kinoelementen zu kombinieren.

Jan-Niclas Müller
Alexandra Knappik
Was für eine geballte Ladung an Kunst!
Wie der Holländer auf stürmischer See, werde ich mit meinen Eindrücken mal hier-, mal dorthin geschleudert. Auf verschiedenen Ebenen und Zeitlinien wird die Oper aus der Perspektive der Senta neu erzählt, die sich nicht in die Rollenerwartungen ihres Umfelds drängen lässt. Eine starke Frau, die doch einer ewigen Illusion zu folgen scheint? Das Schiff des Holländers ist nicht zu sehen. Durch die aufwendige Bühnentechnik und das eigentlich immersive Bühnenbild bekomme ich dennoch den Eindruck eben dieses Schiff, wie auch Senta, zu sehen. In jedem Aufzug passiert so viel. Ich weiß nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Auf die Masse der Sängerinnen und Sänger, auf das sich ständig verändernde Bühnenbild? Text und Handlung sind natürlich eng miteinander verwoben, werden teilweise auch ironisch und mit viel Witz auf unser aktuelles Zeitgeschehen hin geöffnet. Ein Kebabladen, Handys und singende Fußballfans beim fliegenden Holländer - das alles ist nur ein Teil der wunderbaren Neuinszenierung.

Kein Schiff? Doch! - Im Kino.
Der Klassiker auf der Leinwand, die neue Inszenierung auf der Bühne. Irgendwie laufen zwei Stücke gleichzeitig. Was für eine Spannung. Zwei Handlungsstränge, die sich immer wieder berühren. Gegensätze zu unserer Zeit, die sie wieder auseinanderbringen. Unglaublicher Detailreichtum. Die Musik immer passend. Das hat mir richtig gut gefallen!

Götz Odenwald
Mareike Engelke
Wir wissen, es wird unkonventionell, vielleicht kommt kein Schiff, aber ein Kracher soll es werden. Was wir dann sehen, hören, fühlen ist wahrhaftig viel und gar nicht direkt zu erfassen.
Faszinierend ist, dass diese Inszenierung eine neue, eigentlich leise Geschichte über Sehnsucht spinnt und diese dann laut, heftig, grell, (see-)männlich erzählt. Ein herrlicher Widerspruch, der meine Sinne beinahe (und sehr heimlich) überfordert – ganz klar mitreißend!
Am Premierenabend ist die Bühne ein Kino und Senta sitzt in der ersten Reihe und schaut durch eine halbtransparente Leinwand gebannt ihren Lieblingsfilm „Der fliegende Holländer“ flimmern. Wagners Oper ist plötzlich Filmmusik, die Themen sind sofort im Ohr und in rasanten Timings wechseln Bühnenbild, Darsteller*innen und multimediale Projektionen. Ich bin total drin.
Wir sehen Senta dabei zu, wie sie sich immer weiter in ihre Holländer-Sehnsucht verstrickt. Da sitzt sie und entzieht sich der Welt. Und irgendwie fühlt meine innere Teenagerin ihr dieses Wegträumen sehr nach.
Ein Sprung zum Ende: In dieser Inszenierung stirbt Senta nicht für die Liebe – und ich muss mich erstmal sortieren.


Wagner schrieb die Musik zu Heines dichterischen Fassung und verarbeitete die Grundelemente, Verdammnis und Erlösung durch Liebe in eine dramatische romantische Oper. Barkhatov schreibt die Geschichte um.
Im Mittelpunkt steht Senta. Ihre übertriebene Schwärmerei zu einem Filmhelden, dem Seefahrer Holländer, begleitet sie von Kindheit an. Die Zuschauer*innn lernen einen fürsorglichen Vater und eine treulose Mutter kennen. Senta verliert den Bezug zur Realität, es wird der Anschein geweckt, sie leide unter einer Psychose. Ihr Vater möchte sie aus dieser Starre retten.
Die Oper wird modern inszeniert, das ist anfänglich sehr interessant gestaltet und bringt uns Zuschauer*innen in eine Kinowelt. Im letzten Akt bekommen wir als Zuschauende ein buntes Einkaufszentrum, mit grölenden Fussballfans gezeigt. Passend zur heutigen Zeit erleben wir viele Statist*innen, die eigentlich nur mit eigenen Bedürfnissen beschäftigt sind. Somit darf der Blick auf das Handy nicht fehlen und das permanente Wischen auf diesen Geräten.
Mir gefällt das Umschreiben des Inhaltes der Oper nicht. Eine moderne Inszenierung finde ich grundsätzlich gut, der Abschluss im letzten Akt war mir jedoch zu hektisch und wuselig. Die musikalische Darbietung war super und zwar in allen Bereichen!
Astrid Postmeyer
Opernführer Audio
Einen kurzen Einblick in die Produktion „Der fliegende Holländer” und ihre Hintergründe gibt Ihnen hier Dramaturgin Anna Grundmeier. Den Opernführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 08:47 Minuten


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