07.03.–30.04.2024 / Ballett

True Crime

Andrey Kaydanovskiy | Hege Haagenrud | Demis Volpi
Fr 05.04.2024
Opernhaus Düsseldorf
19:30 - 21:45
Ballett
9983776756443322
Kleines Abo 1, Wechselnde Wochentage-Abo 4
Termine
19:30 - 21:45
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit Ballett
9983776756443322
Mittwochs-Abo
Beschreibung
Drei Perspektiven zu Wahrheit und Fiktion
Andrey Kaydanovskiy – Chalk
Hege Haagenrud – The Bystanders
Demis Volpi – Non-Fiction Études


ca. 2 ¼ Stunden, zwei Pausen
Empfohlen ab 14 Jahren
Täter. Opfer. Ermittler. Ist Wahrheit selbst nicht auch eine Frage der Perspektive und der Auslegung? Was reizt uns an der Sachlichkeit einer trockenen Berichterstattung? Was fasziniert uns an dem Wahrheitsgehalt des „True Crime“ gegenüber einem erfundenen Kriminalroman?

Mit „True Crime“ widmen sich die drei Choreograph*innen Andrey Kaydanovskiy, Hege Haagenrud und Demis Volpi mit der je eigenen, unverwechselbaren Tanzsprache diesem gehypten und zugleich umstrittenen Genre. Dabei entstehen drei eigenständige, aber doch durch Bühnenraum, Kostüm und Sounddesign miteinander verwobene Stücke. Eine Annäherung an ein Genre, das uns bewegt und irritiert, abstößt und zugleich fasziniert - nichts für schwache Nerven!

Andrey Kaydanovskiys Auseinandersetzung mit dem Thema trägt den Titel „Chalk“ und spielt an einem verlassenen Tatort und begleitet vier Wahrheitssuchende, die mal in die Rolle des Opfers, des Täters oder des Ermittlers schlüpfen. Bei dem Versuch der Rekonstruktion des Verbrechens und ihrer Suche nach der Wahrheit scheinen sich jedoch mehr Fragen zu eröffnen als Antworten zu finden. Weiter weg und doch ganz unmittelbar nah sind die in Hege Haagenruds Choreographie „The Bystanders“ zu hörenden und von den Tanzenden virtuos in Zeichensprache übersetzten Tondokumente aus dem weiten Feld der kommerziellen Verarbeitung und Ausschlachtung von „Wahren Verbrechen“. Eine skurrile bis erschütternde Sammlung von Podcast- und Filmausschnitten, True Crime-Make up-Tutorials oder (gestellten) Zeugenaussagen. Im Zentrum von Demis Volpis Choreographie „Non-Fiction Études“ steht der amerikanische Autor Truman Capote, der mit seinem 1966 erschienen, auf Tatsachen basierenden Roman „Kaltblütig“ als Pionier in der literarischen Verarbeitung von „True Crime“ gilt. Ganz deutlich zeichnet sich hier die Frage ab: Wo ist die Grenze zwischen Realität und künstlerischer Interpretation?
Stimmen unserer Scouts für Oper und Ballett
Drei Choreographien, ein Thema und keine Kompromisse. Ein Ballettabend für Wagemutige, Unerschrockene und Entdecker.
Schon nach den ersten Minuten von „Chalk“ war ich gefangen in einer faszinierenden Welt von Bewegungen, Bildern und Klängen.
Dann „Bystanders“: Worte, Satzfetzen, Geräusche der eingespielten Tondokumente.
Sprache, Klänge, Gesten als dreidimensionaler Wahrnehmungsraum, als Impulsgeber für eine komplexe Bewegungssprache und rhythmisierte Absurdität.
Schließlich „Non-Fiction Études“, Episoden aus dem exzentrischen Leben von Truman Capote.
Inspiriert von Rachmaninows Études-tableaux entwickelt sich eine magische, zauberhafte Choreographie. Manchmal kindlich verspielt, dann wieder getrieben und narzisstisch.
Brüche, Widersprüchliches, Erratisches, doch immer besticht der Tanz durch wunderbare Ästhetik und mitreißende Ausdrucksstärke.
Chapeau, drei begeisternde Uraufführungen und ein meisterhaftes Gesamtkunstwerk.

- Ralf Blaha über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
Ralf Blaha
Managementberater
Jan-Niclas Müller
Projektmanager
Hinter einem Ballettstück mit dem Titel „True Crime“ kann sich einiges verbergen. Podcasts, Youtube Video oder Fernsehformate wie Aktenzeichen XY beschäftigen sich auf unterschiedliche Art mit dem Thema. So auch die drei Stücke von True Crime. Allesamt tänzerisch beeindruckend, interpretieren sie das Thema ganz unterschiedlich. Während bei „Chalk“ und „The Bystanders“ der Bezug zum Verbrechen klar erkennbar und innovativ umgesetzt ist, benötigt es bei „Non-Fiction Études“ die Lektüre des Beihefts. Trotz des ebenfalls hervorragenden Tanzes fehlt hier etwas, um mich mitzureißen. Zu sehr mitgerissen hat mich dagegen die Musik, die aus Notrufaufnahmen und aus Podcasts und Youtube-Videos stammt. Schnelle Schnitte der Tonaufnahmen, die unaufhörlich auf einen einprasseln, erinnern an Trailer und US-Fernsehen. Passend zum Thema, erzeugt es eine stressige und unangenehme Atmosphäre im Saal. Und so geht der Abend für mich trotz fantastischer tänzerischer Leistungen und einer umwerfenden Interpretation von Licht und Bühne, mit einem etwas mauen und ratlosen Gefühl zu Ende. Vielleicht soll es aber auch so sein, wenn das Thema „Wahre Verbrechen“ lautet.

- Jan-Niclas Müller über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
Ein Hype kommt nun als Kritik der gegenwärtigen True Crime Bubble auf die Bühne.
Der aus drei Teilen bestehende Ballettabend beginnt mit der Rekonstruktion eines Verbrechens. Die Inszenierung erinnert mich an eine Art Rave, an etwas, das auf ein Elektrofestival gehört - trotz der bedrückenden Thematik. Die laute, aus vielen Bassklängen bestehende Musik und das Lichtdesign vermitteln mir diesen Eindruck.
Anschließend sehe ich im zweiten Teil mit großer Begeisterung die Umsetzung von gesprochener Sprache in Tanz. Die Verbindung aus Sprache und Tanz lässt die zunächst nur im Oberkörper stattfindende Bewegung sehr gut nachvollziehen. Die an Kleriker erinnernden Kostüme verstärken den Effekt von Statik und Dynamik. Beide Werke erfordern viel Konzentration und sind anstrengend, es sind keine Inszenierungen zum Träumen und Entspannen. Dennoch sind sie intensiv, besonders und voller Emotionen.
Als Kontrast dazu steht der letzte Teil. Eine anmutige und schön wirkende Inszenierung, die durch einen Flügel begleitet wird - traumhaft. Sie beleuchtet die Entstehung von True Crime. Besonders begeistert hat mich der Tänzer, der pures Ballett ohne musikalische Begleitung, nah am Publikum, zeigte. Diese Ruhe habe ich nach den ersten beiden Teilen gebraucht.

- Alexandra Knappik über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
Alexandra Knappik
Lehramtsstudentin im Bereich Sonderpädagogik
Nicole Bonnekamp
Referentin im Konzernrechnungswesen
Wer bislang den Besuch des Balletts scheute, weil er mit Ballerina, Tutu und Orchesterkompositionen fremdelt, dem sei der Ballettabend „True Crime“ wärmstens ans Herz gelegt!
In den ersten beiden Stücken erwarten ihn weder harmonische Musik noch klassische Choreografien.
Stattdessen erzeugen ungewohnte Klänge, abrupte Soundwendungen, Sprachaufnahmen, ASMR-auslösende Reize sowie Lichtinstallationen, die die Stücke wie ein weiterer Darsteller prägen, eine Art Metaebene, bei der der eigentliche Tanz stellenweise in den Hintergrund gerät und man sich von dem Denken in Kategorien („Ist das noch Ballett?“) verabschieden muss.
Überhaupt, Tanz: in dieser Aufführung zeigt das wieder einmal hervorragende und hochmotiviert wirkende Ensemble erst im dritten Stück „Non-fiction études“, dass der klassische
Balletttanz alle Zuschauer ansprechen kann.
Am meisten begeistert mich das Auftaktstück „Chalk“, in dem sich die Tänzerinnen und Tänzer unglaublich präzise und nahezu puppenhaft zu Licht- und Soundchoreografie bewegen.
Die beiden Pausen zwischen den Stücken waren auf jeden Fall notwendig, um meinen Sinnen eine Verschnaufpause zu geben.

- Nicole Bonnekamp über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
Mit „True Crime“ erlebte ich eine überaus leidenschaftliche Ballettauführung, der es es gelang intensive Gefühle auf die Bühne zu bringen. Die Choreographen Andrey Kaydanovskiy, Hege Haagenrud und Demis Volpi setzen sich in unterschiedliche Art mit der Darstellung des Tatortes auseinander. Die drei eigenständigen Stücke beeindruckten mich dabei besonders mit ihrer sehr individuellen Tanzsprache. Mal ist es das unfassbar starke Zusammenspiel der Tänzer, die aufeinander abgestimmten fließenden Bewegungen die eng miteinander verschmelzen oder die erschreckend leblos wirkende Körper, die wie fremdgesteuert im Zusammenspiel mit Worten und Geräuschen über Bühne zu schweben scheinen. Die wunderbar anzusehenden Tänzer/innen die im perfekten Licht und Kostümen von fantastischer Klaviermusik auf der Bühne begleitet werden bilden einen runden Abschluss des Abends.
Am Ende werde alle drei Stücke durch den Bühnenraum, und der in den Grünzügen gleichbleibenden Frage nach Recht, Wahrheit und Wirklichkeit verbunden und bilden so eine starke Einheit.

- Sabine Fröber über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
Sabine Fröber
Erzieherin
Götz Odenwald
Architekt
Die Aufführung “True Crime” zeigt eine interessante Dreiteilung. Der erste Teil lehnt sich eng an ein Verbrechen an, Kreidestriche deuten auf einen Mordfall, die harte Musik ist eher eine Geräuschkulisse, Ermittler vor Ort eindrucksvoll getanzt, sehr atmosphärisch.
Der zweite Teil spielt in den sozialen Medien, einzelne Tänzer, erscheinen wie Opfer umgeben von der anonymen Masse die manchmal recht bedrohlich wirkt, oder sie sind Akteure ihres Podcasts vor ihren Zuhörern. Ein aktuelles Thema ausdrucksstark dargestellt, sehr starke Gesten zu original Texten, anfangs intensiv später durch die ständige Wiederholung austauschbar, da fehlt dem Konsumenten auch schon der nächste Kick.
Der dritte Teil präsentiert sich in einem sehr klassischen Tanzstil mit Livemusik und widmet sich intensiv Truman Capote. Die Darbietung fällt aus dem Kontext der ersten beiden Teile heraus. Man sollte die Biographie von Capote kennen oder einfach nur den Tanz genießen, das entspannt nach der ganzen Aufregung.
Alles in allem sollte für jeden Krimiliebhaber etwas dabei sein.

- Götz Odenwald über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
True Crime bietet ein intensives Erlebnis: Drei Stücke, drei Choreograph*innen, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen. Es ist keine entspannende Unterhaltung sondern eine Auseinandersetzung mit, ja, eigentlich gewaltvollen Inhalten – hoch künstlerisch betrachtet. Hier entsteht eine große Spannung. Jede Pause zwischen den Stücken ist nötig, um mich zu sammeln und Platz für die nächsten Eindrücke zu schaffen. Besonders das zweite Stück, „The Bystanders“ zieht mich in seinen Bann. Hier tanzt das Ensemble in einer eigens geschaffenen Symbolsprache zu echten Notrufen, You-Tube-Tutorials und Soundfragmenten. Gewagt und faszinierend zugleich. Die Kostüme in allen Stücken sind ausdrucksstark und symbolhaft. Das Licht teilweise sehr herausfordernd, die Klangwelten manchmal kaum auszuhalten, dann wieder faszinierend reichhaltig und einfach wunderschön, wenn das Klavier live auf der Bühne gespielt wird.

- Mareike Engelke über die Premiere in Duisburg am 22. März 2024.
Mareike Engelke
Diplom-Designerin
Alissa Steinseifer
Business Developerin

Wer erwartet, bei der True Crime-Vorstellung einen eleganten Ballettabend mit Orchesterbegleitung zu erleben, wird leider enttäuscht sein. Präsentiert werden drei voneinander unabhängige Stücke in verschiedenen Tanzstilen (Contemporary Dance im Ersten, ein "Armtanz" im Zweiten und Ballett im Dritten), allerdings ganz ohne das fulminante Düsseldorfer Orchester. Stattdessen werden über weite Teile des Abends Soundeffekte und englischsprachige Einspielungen verwendet, die ich persönlich als anstrengend empfunden habe. Oftmals nur undeutlich geflüstert, war es schwierig zu erkennen, ob der Text für das Verständnis des zweiten Stücks wichtig war, wodurch ich mich kaum entspannt zurücklehnen konnte. Obwohl mich die tänzerische Leistung im ersten und letzten Stück beeindruckt hat (tolle rote Spitzenschuhen), konnte ich es nicht wirklich genießen, da die akustische Reizüberflutung einfach zu groß war.

- Alissa Steinseifer über die Premiere am 07. März 2024 in Düsseldorf
Der Abend widmet sich den Themen „Wahrheit/Fiktion – Täter/Opfer" und es ist spannend zu sehen, wie unterschiedliche die drei Choreographen das gleiche Thema umsetzen.
Allerdings verabscheue ich das Thema „True Crime“. Daher habe mich die ersten beiden Stücke „Chalk“ und „The Bystanders“ sehr bedrückt und insbesondere die sehr moderne Inszenierung in Form von “Oberkörpertanz“ in „the Bystanders“ gar überfordert. Mir fehlte die Ästhetik des Tanzes.
Versöhnt hat mich das letzte Stück „Non-Fiction Études“ von Demis Volpi durch den ausdrucksstarken Tanz, die körperbetonten roten Kostüme, die Spitzentanzeinlagen und die Live-Klaviermusik.
Kein verlorener Abend, aber für Zuschauer: innen auf der Suche nach Entspannung sicherlich das falsche Programm.


-Christine Preuß über die Premiere am 07. März 2024 in Düsseldorf
Christine Preuß
Marketing-Managerin
Anna von Aulock
Schulsozialarbeiterin

Es war ein Abend voller Staunen und Bangen; Ein Drei-Gänge-Festmahl, bei dem es sich wirklich lohnt vorab ein Blick ins menue - pardon, Programmheft - zu wagen. Mir hat es besonders der erster Gang angetan; "Chalk" lädt das Publikum in ein dunkles, nur vom blauen Licht eines Bildschirm erleuchtetes Wohnzimmer ein. Vier Personen entführen uns in vier Akten in eine Geschichte die jeden Tatort in den Schatten stellt. Die Körper scheinen sich mechanisch, dann wieder fliesend in einem ständigen Umeinander und Miteinander zu bewegen. Dabei sitzt jeder Tritt und auf jeden Schritt folgt der nächste Griff und fügt sich dabei zu einer perfekten Symbiose der Körper zusammen. Man versteht ohne dass nur ein Wort fällt; Das Licht übernimmt hier die Erzählerstimme; Kostüm und Bühnenbild bestimmen die Klangfarben. Es ist für wahr ein Abend zum satt sehen! Und auch wenn im Verlauf des Abends weiterhin auf das Dreigestirn Licht, Bühne und Kostüm Verlass ist, ist dieser erste Gang - die création von Andrey Kaydanovskiy - im Gesamtbild so stimmig und dabei so einnehmen und füllend, dass kaum Platz für die nächsten zwei Gänge bleibt.

- Anna von Aulock über die Premiere am 07. März 2024 in Düsseldorf
Ein sehr unterschiedlich wirkender, dreigeteilter Ballettabend, der sowohl faszinierte als auch irritierte.
Das erste Ballettstück "Chalk" beeindruckte durch das großartige Zusammenspiel von Tanz, Licht und Kostüme. Die tänzerischen Fähigkeiten und die Choreographie des Stückes fesselten von der ersten Minute an. Mit dem zweiten Ballettstück „The Bystanders“ habe ich tatsächlich gefremdelt. Sowohl die unruhigen Stimmen, als auch die eher statischen Bewegungen mit ihren ruckartigen Gesten haben mich nicht angesprochen. Das dritte Ballett „Non-Fiction-Etudes“ hat mich an diesem Abend besonders mitgerissen. Die optische Aufmachung des Ensembles, alle in roten Kostümen,war ein Augenschmaus, dazu die ungewöhnliche Musikbegleitung, komplette Klaviermusik und ein Bühnenbild, das an Broadwayinszenierungen erinnerte.
Ein tänzerisch wunderbares Ensemble mit einem herausragenden Solisten – der Abend ist perfekt ausgeklungen.


-Christine Preuß über die Premiere am 07. März 2024 in Düsseldorf
Elke Böttcher
Inhaberin der Buchhandlung Bolland & Böttcher
Ballettführer Audio
Einen kurzen Einblick in den Ballettabend „True Crime” und seine Choreographien gibt Ihnen hier Dramaturgin Julia Schinke. Den Ballettführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 9:23 Minuten

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