03.12.2022–08.01.2023 / Oper

Die Jung­frau von Orlé­ans

Peter Iljitsch Tschaikowsky
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Beschreibung
Monumentale Oper über eine Frau zwischen Kampf, Liebe und Haltung in Zeiten des Krieges.
Oper in vier Akten
Libretto vom Komponisten u.a. nach der gleichnamigen romantischen Tragödie von Friedrich Schiller in der russischen Übersetzung von Wassili Andrejewitsch Schukowski
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
ca. 2 ¾ Stunden, eine Pause
Empfohlen ab 14 Jahren
Im hundertjährigen Krieg Frankreichs gegen England befinden sich die Franzosen in bedrängter Lage: Paris ist gefallen, Orléans belagert, der legitime Thronerbe Karl VII. in Untätigkeit erstarrt. In dieser ausweglosen Situation verkündet die Bauerstochter Johanna, Gott habe sie damit beauftragt, Orléans aus der Besatzung zu befreien. Ein Keuschheitsgelübde beglaubigt Johannas göttliche Sendung vor ihren Landsleuten, deren Kampfesmut durch die Entschlossenheit der jungen Frau neu entflammt. Unter Führung der „Jungfrau von Orléans“ gelingt der entscheidende Sieg. Doch während man Johanna als keusche Kriegerin verehrt, ist sie längst keine mehr: Sie hat ihr Herz an den feindlichen Kämpfer Lionel verloren.
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Unterdessen ruft Johannas eigener Vater zum Sturz seiner Tochter auf… Wer ist Jeanne d’Arc, die legendäre Jungfrau von Orléans? Eine Gotteskriegerin, die im Auftrag himmlischer Mächte das französische Heer siegreich gegen die englischen Besatzer ins Feld führt? Oder eine junge Frau, die mit Mut die engen Begrenzungen ihres Standes und Geschlechts zu sprengen wagt und in ihrer Begegnung mit dem Krieg und der Liebe radikal den Frieden auf ihre Fahne schreibt, während die politischen Kräfte ihre Macht weiter an Sieg und Niederlage messen?

Nach der Vorlage von Friedrich Schillers Tragödie „Johanna von Orléans“ schuf Peter I. Tschaikowsky 1881 eine effektvolle Grand Opéra. Doch die Ermordung des Zaren Alexander II. nur zwei Wochen nach der Uraufführung am 25. Februar 1881 in St. Petersburg verhinderte zunächst die Verbreitung des Werkes. Bis heute ist die Oper ein klanggewaltiger Solitär auf den europäischen Opernbühnen. Nach „Weihnachtsoratorium – Szenen einer schlaflosen Nacht“ inszeniert Regisseurin Elisabeth Stöppler erneut an der Deutschen Oper am Rhein.
Mit freundlicher Unterstützung
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Chorleitung
Dramaturgie
Besetzung
Johanna von Orléans
Thibaut d'Arc
Karl VII.
Agnes Sorel
Dunois
Bertrand
Beichtvater
Lauret / (Ein Krieger)
Stimmen unserer Scouts zu "Die Jungfrau von Orléans"
Elke Böttcher
Ein bisschen Magie, ein wenig Schaudern und viele Emotionen. Der Ballettabend bietet alles für diejenigen, die sich komplett in einer schaurig-schönen Fantasiewelt verlieren wollen. Mit Krabat schafft es Demis Volpi genau die richtige Balance zwischen Entertainment und Ernsthaftigkeit zu kreieren. Er erzeugt große Momente und beeindruckende Bilder, aber lässt auch Raum für das Detail und Augenblicke der Intimität. Emotionale Pas de deux und Soli bringen eine ganz besondere Ruhe in die sonst so bedrückende und geheimnisvolle Welt der Raben. Dabei ist es herrlich die Entwicklung des jungen und anfänglich naiven Krabat über den Abend hinweg begleiten zu dürfen und zu beobachten, wie sich nicht nur die Beziehung zwischen ihm und dem Meister verändert, sondern auch wie kraftvoll seine Bewegungen schlussendlich vertanzt werden. Obwohl der gleichnamige Roman vor fast 50 Jahren veröffentlicht wurde, trifft der Ballettabend definitiv den Zahn der Zeit und hinterlässt nachhaltig seine Spuren.


Ich gebe zu, ich habe als Kind Krabat geliebt! Wie geht es dem Müllerburschen heute?
Zuerst pure Begeisterung für den faszinierenden Lesestoff und seine zauberhafte Umsetzung in Bühnenbild, Kostümen, Musik, Licht, es packt einen schauderhaft und gebannt „im Maschinenraum der Gesellschaft.“ Macht, Gier, Bösartiges, Verzweiflung, die Suche nach dem Lebensglück, Hilflosigkeit, Hoffnung und letztlich die Liebe sind nicht allein in der Pubertät, sondern in möglichen Transformationen auf die politischen Umtriebe und falschen Zauberer allerorten.
Der 2. Akt mit einem karnevalesken Pumphutt ließ mich arg zweifeln an der Energie des Gesamten, aber im 3. Akt wurden die effektvollen Register erneut gezogen und auch das Ballett als Gemeinschaft, insbesondere die Männerfiguren, zeigten vieles der wertgeschätzten Qualitäten. Harry Potter, Dolby Surround und Hollywood lassen insgeheim grüßen. Etwas reißerisch, dennoch ein familientaugliches Handlungsballett.

Dr. Gregor Jansen

Alissa Steinseifer
Ein erdrückendes Bühnenbild aus unzähligen Mehlsäcken, dunkle Licht-Atmosphäre, das Rattern der Mühle, gepaart mit Musik, die einem das Blut gefrieren lässt - in dieser Szenerie wird man Zeuge davon, wie der Meister (grandios gespielt von Damián Torio) den Willen der Burschen bricht und seine Macht spielen lässt.
Neben dem Bühnenbild haben mich vor allem die Rabenkostüme absolut begeistert, die gerne noch häufiger zum Einsatz hätten kommen können. Ebenfalls sehr gut hat mir der Einsatz „echter“ Magie gefallen, mit der ich in keiner Weise gerechnet hatte. Unerwartet, aber sinnvoll eingesetzt waren auch die gegensätzlichen Tanzstile, die das Leben in der Mühle klar von der heilen Welt im sonnendurchfluteten Wald trennten.
Ein Abend, der ganz anders verlief als erwartet und mich als Zuschauerin positiv das Ballett verlassen lässt: Am Ende siegt die Liebe von Kantorka zu Krabat über den Meister. Ein Ausgang, den man sich, übertragen auf heutige Zeiten, in so unzähligen Kontexten wünscht.


Heute sehe ich also Ballett. Das ist bisher nie kultureller Fokus für mich gewesen. Aber ich wollte es unvoreingenommen auf mich wirken lassen. Vorhang auf, los geht’s! Ich bin beeindruckt von der ersten Sekunde an.
Vor allen Dingen von der imposanten Kulisse, welche durch eine haushohe Stapelung unzähliger Mehlsäcke stilisiert den Innenraum einer Mühle darstellt. Das dazu passend abgestimmte Lichtkonzept und Nebelschwaden wirken mystisch und versprechen eine Menge Spannung. Es ist fast gruselig. Genau nach meinen Geschmack. Ich möchte mehr erfahren.
Vorab war ich auf viel klassisches Ballett eingestellt. Davon sieht man zu meiner Überraschung doch viel weniger als gedacht. Allerdings das, was dargeboten wird, macht Spaß und ist toll aufgeführt. Äußerst interessant, wie viel Handlung man ohne Gesang oder Sprache mit Tanz vermitteln kann. Denn die kurz vorab im Begleitheft gelesene Story konnte ich bis auf wenige Ausnahmen durch die gelungene Inszenierung gut nachvollziehen. Klasse. Diese drei Stunden sind tatsächlich recht kurzweilig und wirklich tolle Unterhaltung. Ein guter Einstieg für Ballett-Newbies wie mich.

Benjamin Arndt

Anne Florack
Wo waren Sie im Morgengrauen des zehnten Novembers? Ich weiß es. Also nicht, wo Sie waren. Aber wo ich war. An jenem Morgen saß ich bei kalt gewordenem Tee am Küchentisch und las das letzte Kapitel von Otfried Preußlers Krabat. Die Premiere von Demis Volpis Inszenierung stand am Abend bevor und ich wollte die Vorlage noch mal kurz zur Hand nehmen. Daraus wurde ein Nicht-mehr-weglegen-können. Später sah ich ein Handlungsballett, das vor allem im letzten Akt derart leuchtete, dass man fast vergaß, dass der Mittelteil ein wenig an Farbe verlor. Gerührt war ich, als Katharina Müllner im Wechsel zur bewusst spröden Mühlen-Musik und den strangen Streichern das Lied „Die Gedanken sind frei“ zu dirigieren begann und damit eine Mixtur lieferte, die daran erinnerte, wie nah Verzweiflung und Hoffnung beieinander liegen. Wie bei Preußler führten auch auf der Bühne Zutrauen und Liebe am Schluss in die Freiheit. Eine Botschaft, die in der von Widrigkeiten geschüttelten Gegenwart kräftig nachhallt.

Inszenierungen, die einen Roman zur Vorlage haben, müssen oft Kompromisse eingehen. In diesem Fall, Preußlers Meisterwerk, eine ganz besondere Herausforderung! Wir erleben in schneller Folge die Aufnahme Krabats in die Mühle, ausgelassene Liebe, dann verbotene Liebe, Strafe mit dem Tod. Die getanzten Bilder kommunizieren eindrücklich ganz ohne Worte. Im zweiten Akt wird die Maloche in der Mühle immer bedrückender, die Musik ist starker Tobak und die Arbeit der Müllerburschen gerät zeitweise zu einer Step Class. Im Duell mit dem Meister entgleitet das Stück in ein Potpourri der Kulturen mit Cowboys, Samurai und anderen Figuren, in die sich der Kontrahent verwandelt. Und immer wieder fordert das ultimative, hier weiblich dargestellte Böse, eine Art Darth Vader, in einem leuchtend roten Kostüm schwebend, seinen Tribut, bevor Kantorka ihren Liebsten unter elf anderen Burschen, allesamt in Raben verzaubert, blind, allein von ihrer Liebe geleitet, erkennt und dadurch dem Spuk ein Ende bereitet.
Wer Krabat in seiner Vielschichtigkeit begreifen möchte, sollte den Roman lesen; wer eine abwechslungsreiche tänzerische Darbietung der Handlung in einer zeitgenössischen Lesart bevorzugt, ist in der Düsseldorfer Oper richtig. Das Ensemble führt uns körperlich vor Augen, dass Entscheidungen im Leben zwar folgerichtig, aber auch teuer und tragisch sein können. Allein um unsere Unterscheidungsfähigkeit zwischen gut und schlecht, richtig und falsch zu üben, sollten wir dieses Ballett unbedingt tanzen sehen!

Dr. Markus Brandstetter

Peter Ripka
Turmhoch gestapelte Mehlsäcke verwandeln den Bühnenraum in die Schule der dunklen Künste. Wie hier Tänzer*innen, Musiker, Bühnen- und Kostümgestalter*innen die Geschichte um den Waisenjungen Krabat auf die Bühne bringen ist spektakulär. Die Musik ist eindringlich. Stakkatoartig wiederkehrende Klänge wechseln mit monotoner, speziell aufgenommener Mühlenmusik. Fasziniert erlebe ich, wie die Tänzerinnen und Tänzer den Dialog mit Musik und Handlung aufnehmen. Sie rackern, leiden und sterben. Sie geben einfach alles. Mein Zeichenstift folgt den knechtenden Mühlengesellen, den zwingenden Bewegungen des Mühlenmeisters und seinem magischen Kräftemessen mit Pumphutt. Der glitzernden Auftritt des Gevatter kommt ebenso plötzlich wie unerwartet. Mit ernsten Folgen - wie sich im weiteren zeigt. Als die Tänzerinnen der Compagnie zur Musik des Volksliedes „die Gedanken sind frei“ einschweben muss ich innehalten. Der emotionale Kontrapunkt zu all der Mehlsack-Plackerei berührt mich sehr.
Demis Volpi schafft mit Krabat hoch aktuelles, berührendes Handlungsballett. Durchdrungen von Tiefgang, Humor und Leichtigkeit.

Ein emotionaler Höhepunkt zu all der Mehlsack-Plackerei. Die Tänzerinnen des Ensembles zur Musik des Volksliedes „Die Gedanken sind frei“.

Maria Kataeva ist die Jungfrau von Orléans
„Die Jungfrau von Orléans“, Peter Tschaikowskys klanggewaltige russische Oper nach dem gleichnamigen Drama von Friedrich Schiller kommt am 3. Dezember 2022 im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne. In der Titelpartie: die international gefragte Mezzosopranistin Maria Kataeva aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein. Wir sprachen mit ihr.
Maria, du gibst dein Rollendebüt als Johanna – eine Wunschpartie?

Oh ja! Johanna ist eine der stärksten und komplexesten Opernfiguren. Tschaikowskys Musik bringt die innere Zerrissenheit der Protagonistin brillant zum Ausdruck – die psychologischen Widersprüche zwischen der Frau und Kriegerin, zwischen Liebe und Pflicht, zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen. Die Partie ist sehr umfangreich und hat viele hohe Töne, dramatische Intonationen, Intervallsprünge. Gleichzeitig muss die Stimme ein perfektes Legato bewältigen. Manchmal muss sie samtig klingen und die Zerbrechlichkeit eines jungen Mädchens vermitteln, und manchmal muss das Timbre scharf werden, wie eine Schwertklinge.
Vorne: Maria Kataeva (Johanna von Orléans), Sergej Khomov (König Karl VIII.), hinten: Evez Abdulla (Dunois), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Vorne: Maria Kataeva (Johanna von Orléans), Sergej Khomov (König Karl VIII.), hinten: Chor der Deutschen Oper am Rhein
Tschaikowsky hatte die Titelpartie ursprünglich für eine Sopranistin komponiert, die Partitur dann aber verändert, weil die Rolle in der Uraufführung mit einer Mezzosopranistin besetzt wurde.

Ich denke, dass die Mezzosopran-Stimme für diese Rolle am besten geeignet ist, denn sie kann die innere Spannung zwischen Licht und Dunkelheit sehr gut wiedergeben. Ich freue mich sehr, wenn Kolleginnen und Kollegen mir sagen, dass es so klingt, als sei die Partie extra für mich geschrieben worden. Tatsächlich ist sie eine echte Herausforderung für mich und eine neue Etappe in meiner Entwicklung. Und ich bin begeistert von meinen Kolleginnen und Kollegen! Die meisten von ihnen sprechen kein Russisch. Da ist zum Beispiel der Chor, der in der russischen Musik traditionell eine große Rolle spielt – die Rolle des Volkes: Die Darbietung des Kirchenchorals im ersten Akt rührt mich zu Tränen, und die Schlussszene, den Höhepunkt der Oper, hat Tschaikowsky fast ausschließlich für den Chor geschrieben. Eine große Inspiration sind meine Solistenkollegen, mit denen ich bei vielen Gelegenheiten auf der Bühne der Deutschen Oper am Rhein zusammen gesungen habe: Sergej Khomov, Richard Šveda, Luiza Fatiol, Sami Luttinen. Ich bin absolut sicher, dass wir mit unserem musikalischen Leiter Péter Halász eine sehr starke Produktion haben werden!
Vorne: Sergej Khomov (König Karl VIII.), mitte: Elisabeth Stöppler (Inszenierung), Maria Kataeva (Johanna von Orléans), hinten: Chor der Deutschen Oper am Rhein
Und wie gestaltet sich die szenische Arbeit?

Elisabeth Stöppler ist eine großartige Regisseurin – es macht Riesenspaß, mit ihr zu arbeiten! Sie hat ein großes Gespür für die Musik, kennt die Übersetzung jedes einzelnen Wortes und hat ein klares Konzept für die Aufführung. Ich freue mich, dass ich an dieser Neuproduktion mitwirken darf.
Opernführer Audio Spezial
Einen musikalischen Einblick in die Produktion „Die Jungfrau von Orléans” gibt Ihnen Dirigent Péter Halász.

Dauer: 26:17 Minuten


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