04.09.–18.09.2022 / Oper

Macbeth

Giuseppe Verdi
Beschreibung
Melodramma in vier Akten
Pariser Fassung von 1865
Text von Francesco Piave mit Ergänzungen von Andrea Maffei nach „The Tragedy of Macbeth“ von William Shakespeare
Eine Koproduktion mit der Opera Vlaanderen
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
ca. 2 ½ Stunden, eine Pause
Empfohlen ab 16 Jahren
„Macbeth“ nach Shakespeares vielgespieltem Drama ist ohne Zweifel das dämonischste Werk von Giuseppe Verdi (1813–1901). Es handelt von der vergänglichen Natur der Macht und zeigt, wie eine Kette von Gewalt, Terror und Paranoia entsteht und einen achtbaren Kriegsmann zu einem Tyrannen und hilflosen Schlächter werden lässt. Durch die Prophezeiungen von Hexen wird Macbeth von einem beispiellosen Ehrgeiz und Machthunger befallen, den seine Frau noch schürt und gefährlich aufheizt. Doch mit der Macht wächst die Schuldenlast und mit der Zahl der Verbrechen der Wahnsinn.
Mehr lesen
„Macbeth“ war im Kontext der damaligen französischen und italienischen Opernpraxis ein gewagtes Vorhaben ob seines grausamen Inhalts und des Mankos, keine für die Oper obligatorische Liebesgeschichte zu enthalten. Es sind die kranken Geister der beiden Protagonisten, die das Drama und die Musik beherrschen und beides in ungewohnter Schlüssigkeit miteinander verbinden.

Michael Thalheimer widmet sich nach seiner eindringlichen Interpretation von „Otello“ nun erneut einer auf dem großen englischen Dramatiker William Shakespeare fußenden Verdi-Oper. Wie kommt die Gewalt in den Menschen? Wie das Gift, das Jago dem anfechtbaren Otello einträufelt, spiegeln jetzt die Prophezeiungen der Hexen die menschlichen Triebe, die sich entladen und zu Wahnsinn und Tod führen.
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Chorleitung
Besetzung
Lady Macbeth
Malcolm
Diener des Macbeth, Arzt, Mörder, Apparizione
Kammerfrau der Lady Macbeth
Solo-Hexe
Annette Hörle/Birte Hopstein
Fleance
Marie-Sophie Tétard/Adam von Westerholt
Apparizione
Josefine Nagerski/Elisabeth Gehrmann, Marie-Sophie Tétard
König Duncan
Norbert Kaulhausen
Stimmen unserer Scouts zu "Macbeth"
Anna von Aulock
Man erwartet viel von einem Opernabend: Ein rausgeputztes Publikum, kultivierte Gespräche, überteuerten Sekt und vor allem Musik, die einen in ein eleganteres Zeitalter entführt, während sich das Herz an Prunk und Schönheit erfreut. „Macbeth“ war anders.
Begrüßt wurde man von einem Bühnenbild, das kahl und kalt mit den Zähnen fletschte, und anstatt gepuderter Perücken traf man auf wirres, in Blut getauchtes, Hexenhaar. Verdi entführt uns in eine Geschichte "as old as time"; es ist die Urversuchung der Menschheit, die Sehnsucht nach Macht und unsterblichem Ruhm. Doch die eiserne Krone ist schwer, so wie die Schuld, die mit ihr kommt. Macbeth und seine Lady sind gefangen in einem Hexenkessel und dessen glatte Halfpipe Wände lassen sie nicht wieder aufsteigen in ihr Leben vor der Tat. So versuchen sie sich gegenseitig mit starken Arien und noch stärkeren Stimmen zu überzeugen, dass ihr Glück nicht ober- sondern unterhalb des Nebels liegt. Und wer Shakespeare nicht gelesen hat, kann es auf jeder zweiten Seite der Geschichtsbücher nachschlagen; die Sehnsucht nach der Macht wird zur Sucht, das ruhmreiche Leben bleibt sterblich.
Es war also ein Opernabend anders als erwartet; ein wild diskutierendes Publikum, 80 Liter glänzendes, klebriges Bühnenblut und vor allem wunderschön ehrlicher Chorgesang, der uns und unserer Zeit einen eisernen, schweren Spiegel vorhält.

Wie aufregend und besonders, nach langer Zeit zum Opern-Premieren-Auftakt von Macbeth, dem Anlass entsprechend gekleidet, das Opernhaus zu betreten. Kulturelle Begegnung mit vielen Menschen auf engen Raum fühlt sich spontan festlich und gut an. Meine Bedenken, die Inszenierung könnte zu blutrünstig und das Bühnenbild zu düster und unaufgeregt sein, wurden mir schnell genommen.
Die hintere Wand öffnet sich nur einen Spalt, so dass die vielen Hexen wie Zähne in einem Wolfschlund auf mich wirken. Die blutigen Taten werden nur indirekt über die Symbolik von blutverschmierten Körpern und rotem Licht gezeigt. Die Formation der Hexen und des Volkes wirken in Ihrer Düsterheit oft sehr grafisch und ästhetisch. Der Lichttechnik gelingt es, die Bühne jeder Szene entsprechend auszuleuchten; vom blutigen Rot bis hin zum feinen Kerzenschein, der die einzige Wärme auszustrahlen scheint. Der Abgrund wird im Laufe des Stückes zum brodelnden Hexenkessel.
Besonders berührt haben mich die sowohl stimmlich als schauspielerisch die ausdrucksstarke dämonische Lady Macbeth, Banco in der Vater-Sohn-Szene und der tragende Chor in „Unterdrücktes Vaterland“ sowie die Kinder in Ihren Rollen. Das gesamte Werk: ein opulentes modern inszeniertes Melodram zwischen Macht, Besessenheit und Wahnsinn.

Christine Preuß
Dr. Markus Brandstetter
Die neue Inszenierung von „Macbeth“ in der Düsseldorfer Oper könnte aktueller nicht sein. Im Bild auf einen Hexenkessel minimalistisch reduziert und furios gesungen, führt die Compagnie am Rhein unverstellt vor, wie falsche Machtansprüche schnell zu Gewalt und ins Verderben führen. Im Kopf ist man sofort in der Ukraine und in Taiwan. Vorerst bietet das Stück keinen Ausweg. In dem fulminant gespielten Ende fängt alles von vorne an. Nur ein Bewusstsein für Gewalt als Teil der menschlichen Natur und ihre Kontrolle könnten den Zyklus durchbrechen. Todernst, ein alter neuer Albtraum, besser als Kino und Fernsehen zusammen, A MUST SEE!

Zu düster, bösartig und blutrünstig – jeder, der aus dieser Annahme heraus eventuell in Erwägung zieht diese Inszenierung nicht zu besuchen, möchte ich an dieser Stelle zum Opernbesuch ermuntern. Denn trotz eines dunklen Bühnenbildes, das durch Lichteffekte, Rauch und minimale Requisiten gekonnt zum Leben erweckt wird und trotz dezent eingesetztem Blut ist es weniger düster als ich erwartet hätte.
Die Musik ist an vielen Stellen fast leicht und beschwingt. Würde man die eingeblendeten Übertitel nicht verfolgen, würde man nicht vermuten, dass die Hexen gerade ihren bösen Kräfte freien Lauf lassen, oder dass das Ehepaar Macbeth alles verändernde Morde plant.
Und so verführt das Stück sogar zu dem ein oder anderen Schmunzler, zum Beispiel bei der Krönungsfeier von Macbeth, und geht ans Herz, sobald die Kinderdarsteller die Bühne betreten. Ihre hellen und unschuldigen Stimmen stehen in fundamentalem Kontrast zu dem mörderischen und machtbesessenen Verhalten der Hauptakteure.
Fazit: Der Abend war überraschend, mitreißend, abwechslungsreich und ließ die Zuschauer*innen über die vier Akte hinweg in jeder Sekunde mit dem Ehepaar Macbeth (und seinem Niedergang) mitfiebern.

Alissa Steinseifer
Anne Florack
Das erste „Bravi!“ tönt aus den Oberrängen und die Dame links neben mir streift sich die Pumps von den Fersen. Das ist der Moment, in dem die von Opernheimweh Geplagten ein Stückchen tiefer in den Sitz rutschen und Zuhause ankommen. Mit Macbeth und ohne Schnickschnack beginnt die neue Spielzeit an der Düsseldorfer Oper. Auf der Bühne: ein betongrauer Hexenkessel, Nebel, nonstop Nacht und Ewa Plonka als Lady Macbeth verwandelt das Publikum in eine einzige Seufzerfigur. Wen ich am liebsten mag: Den blondperückten Hexenchor. Dabei ganz besonders Annette Hörle als allgegenwärtige Superhexe, die wie eine zum Sprung ansetzende Raubkatze still um die Figuren schleicht und die blutbeschmierten Arme derart kreatürlich verrenkt, dass sie kein Solo braucht, um alles zu sagen.

Opernführer Audio
Einen kurzen Einblick in die Produktion „Macbeth” und ihre Hintergründe gibt Ihnen hier Dramaturgin Anna Grundmeier. Den Opernführer in der Live-Version können Sie 30 Minuten vor jeder Vorstellung im Foyer erleben.

Dauer: 07:30 Minuten


Wei­tere Em­pfeh­lung­en